Sport : Schalke siegt, Asamoah kommt spät

Trainer Slomka lässt den streitlustigen Nationalspieler beim 2:0 über Wolfsburg zunächst auf der Bank

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Gerald Asamoah näherte sich seinem Ziel schrittweise. Vor einer Woche noch vom Spielbetrieb suspendiert, rückte der Schalker Stürmer zum Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg zunächst auf die Ersatzbank vor und schließlich sogar auf das Spielfeld. Eine Viertelstunde vor Schluss für seinen internen Widersacher Halil Altintop eingewechselt, ebnete Asamoah Regisseur Lincoln in der 89. Minute sogar den Weg zum 2:0 (0:0)-Endstand für den FC Schalke 04. Kevin Kuranyi hatte Schalke nach knapp einer Stunde in Führung gebracht. „Wir wussten, dass es nach dieser Woche nicht einfach wird, aber wir haben gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind“, sagte Asamoah, der an diesem Nachmittag auch als Teilzeitkraft zum Hauptgewinner unter den Schalker Siegern wurde. Der Streit mit Trainer Mirko Slomka hat seine Beliebtheit an der Basis nicht gemindert. Asamoah wurde mit Beifall verabschiedet und zeigte sich dankbar. „Es ist eine Ehre für mich, dass die Fans mich wieder gefeiert haben“, sagte der Nationalspieler.

Ehe Asamoah und die beiden Torschützen das Spiel für Schalke in die richtigen Bahnen lenkten, wurde die Geduld der Zuschauer lange auf die Probe gestellt. Die erste Hälfte war zähflüssig verlaufen. Als die Spieler zur Pause in die Kabine trotteten, pfiffen sich viele Besucher den Frust von der Seele. Zuvor hatten manche schon nach Ebbe Sand gerufen, dem pensionierten Torjäger, der längst in seine dänische Heimat zurückgekehrt ist. Zwei aktuelle Angreifer des FC Schalke waren zuletzt vor allem durch Streit und Zank aufgefallen: Halil Atltintop verpetzte seinen Kollegen Asamoah, der vehement einen Stammplatz gefordert hatte, vom Trainer vorübergehend vom Dienst suspendiert, alsbald aber wieder in Ehren aufgenommen wurde.

Während die so genannte Petzaffäre Züge einer Komödie trug, hätte die Vorstellung auf dem Fußballplatz zu einer ernsten Angelegenheit werden können. Die Boulevardpresse setzte Slomka arg zu und stellte vor der Partie die Frage: „Kommt Daum schon nächste Woche?“ So schnell wird Daum als Trainer nicht nach Gelsenkirchen kommen. Und Slomka gab sich hinterher gelassen: „Dieser Name verfolgt mich schon die ganze Saison.“ Aber so etwas sei nichts Besonderes für einen Trainer, der so im Fokus der Öffentlichkeit stehe wie er und eine Durchstrecke durchzustehen habe.

Die Schalker Mannschaft illustrierte die trübe Stimmung der vergangenen Woche zunächst mit Fußball in Moll. Dennoch hatten die Fans in der ersten Hälfte einmal sogar einen Torschrei auf den Lippen. Doch es blieb nur ein Raunen – als Ausdruck einer Mischung aus Entsetzen und Erstaunen. Nach einem sehenswerten Dribbling des Mittelfeldspielers Zlatan Bajramovic gelang es Kuranyi nicht, den Ball aus drei Metern Entfernung ins Tor zu bringen. Verteidiger Kevin Hofland lenkte den Schuss des Schalkers am Tor vorbei. Später machte Kuranyi es besser. Mit seinem Kopfball zum 1:0 legte er das Fundament für einen erfolgreichen Arbeitstag, an dessen Ende sogar die Gegner von einst wieder zusammenfanden. Asamoah und Altintop nahmen einander nach den Schlusspfiff in den Arm und beschlossen, den Sieg am Abend gemeinsam zu feiern. Den freien Tag, den Asamoah angeregt hatte, wollte Slomka ihnen jedoch nicht gewähren. Am Sonntag werde trainiert wie immer, sagte der Trainer.

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