Schalke : Slomkas Kampf gegen Windmühlen

In Gelsenkirchen könnten die Zeiten des freundlichen und eloquenten Mirko Slomkas bald vorbei sein: Angesichts der jüngsten Pleiten wird die FC-Führungsriege unruhig.

Ulli Brünger
Slomka
Das Loch bleibt: Mirko Slomka fällt immer mehr in Ungnade. -Foto: ddp

GelsenkirchenAls Mirko Slomka am 4. Januar 2006 über Nacht überraschend auf den Stuhl des Cheftrainers beim FC Schalke 04 gehievt wurde, war er nur einigen Insidern der Fußball-Branche bekannt. Kraft seines Amtes ist der frühere Assistent von Ralf Rangnick, der seinem Nachfolger später beleidigt die Qualität für den schwierigen Job absprach, einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Und dank seiner freundlichen und eloquenten Art bei öffentlichen Auftritten landete Slomka schnell in der Journalisten-Schublade. "Der nette Herr Slomka" titelte nicht nur der "Kicker" seinerzeit.

Doch längst geht es Slomka wie allen Schalke-Trainern in den vergangenen Jahren. Schon bei geringen Anzeichen einer sportlichen Krise wächst die Kritik, der Erfolgsdruck steigt, die Führungsriege wird unruhig, Zweifel kommen auf. Als logische Folge gehen bei Spielern und Trainer Attribute verloren, die für Erfolg notwendige Voraussetzung sind: Lockerheit und Selbstbewusstsein. Kapitän Marcelo Bordon beschreibt die bedrohliche Stimmung nach vier schwachen Bundesliga-Spielen, Champions-League-Niederlagen gegen Valencia und in Chelsea treffend: "Punkte weg, Respekt weg, Selbstvertrauen weg." Ein gefährlicher Teufelskreis. Es bleibt die Hoffnung auf Besserung.

Unvorhersehbare Fehlentwicklung

Die Ursachen sind vielschichtig. Eine Fußball-Mannschaft ist schon auf Grund der vielen verschiedenen Charaktere ein kompliziertes und sensibles Gebilde. Dazu kommen die Medien, die fast jedes Detail, jedes Problemchen nach außen tragen. "Du kannst vieles nicht kalkulieren und beeinflussen", sagte Schalkes Ex-Manager Rudi Assauer stets. Dazu gehören auch Verletzungen oder Sperren von wichtigen Spielern, die dem Coach den Handlungsspielraum einengen. Wie zuletzt bei Werder Bremen, beim VfB Stuttgart oder nun "auf Schalke".

Die Entwicklung von Slomka und seiner Elf, die nach Ansicht der Verantwortlichen das Potenzial für einen Bundesliga-Spitzenplatz hat, ist ein neues Beispiel für eine unvorhersehbare Fehlentwicklung. Unter Slomka legte Schalke 2006 zunächst eine tolle Serie hin, wurde am Ende Bundesliga-Vierter und erreichte das Uefa-Pokal-Halbfinale. In der Vorsaison scheiterte das sukzessive mit Millionenaufwand verstärkte Team wie 2001 und 2005 aber erneut im Titelrennen - obwohl der Klub lange Spitzenreiter war und die Chance auf den großen Coup nach 49 Jahren ohne Meisterschaft so groß war wie selten zuvor.

Slomka: Position geschwächt

Anlass, die Qualitäten der Spieler und des Trainers grundsätzlich in Frage zu stellen, gab es nie wirklich. Gleichwohl nahmen Fans und Kritiker der Elf bittere Rückschläge wie das Halbfinal-Aus im Uefa-Cup gegen Sevilla, das folgende Erstrunden-Scheitern in Nancy, die Pokal-Schlappe in Köln oder die bitteren Derby-Niederlagen bei den ungeliebten Nachbarn Dortmund und Bochum übel.

Oft stand Schalke an der Schwelle zum Triumph, doch dann mussten wieder Tränen getrocknet werden. Unter dem Strich bleibt: Seit dem Weggang des volksnahen, aber auch ruppigen Huub Stevens 2002 wurden Fans und Klub mit keinem Trainer mehr richtig glücklich. Der Versuch mit dem spröden Frank Neubarth scheiterte ebenso kläglich wie der mit Ex-Profi Marc Wilmots oder "Welttrainer" Jupp Heynckes. Auch Rangnick musste vorzeitig gehen. Und immer hatten Spieler wie Medien großen Anteil am "Ende der Ehe".

Auch Slomka, der in kritischen Lagen längst nicht so souverän und freundlich ist, droht an der Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu scheitern. Grundsätzlich nachvollziehbare Äußerungen von Präsident Josef Schnusenberg ("Wir werden sehen, ob ich meine punktuelle Kritik am Trainer erweitern muss") haben Slomkas Position geschwächt. Zwar ruderte Schnusenberg zurück, doch die falsch interpretierten Aussagen stehen im Raum. Slomka fühlt sich gekränkt und beschädigt, wie er selbst mit einem bildlichen Vergleich zugab. "Wenn Sie einen Nagel in die Wand schlagen und stellen dann fest: Das Bild passt nicht. Dann können sie den Nagel zwar wieder herausziehen, aber das Loch bleibt." Dem 40-Jährigen steht ein Kampf gegen Windmühlen bevor, den er nur mit herausragenden Spielen und einer Siegesserie gewinnen kann. Die Bewährungszeit läuft. (dpa)

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