Sport : Schalke spielt schon meisterlich

Beim 3:0 des Tabellenführers können die abstiegsbedrohten Mainzer zu keiner Zeit mithalten

Jörg Strohschein[Mainz]

So entspannt hatte man Mirko Slomka lange nicht mehr gesehen. Der Grund für die Lockerheit des Schalker Trainers hat ihren Grund in dem 3:0 (2:0)-Auswärtssieg bei Mainz 05, mit dem die Westfalen ihre Tabellenführung auf nunmehr fünf Punkte ausbauen und noch intensiver von der ersten deutschen Meisterschaft nach 49 Jahren träumen können. Slomka hatte vor dem Spiel gehörigen Respekt vor der abstiegsbedrohten Mannschaft von Jürgen Klopp gehabt. Doch das sollte sich als unnötig herausstellen. „Wir sind sehr klug und gelassen aufgetreten und haben durch unsere Souveränität verdient gewonnen“, sagte Slomka.

Der Auftritt der Westfalen in Mainz versprühte einen geradezu meisterlichen Charme. Das hatte zum einen mit der Lethargie der Gastgeber zu tun, zum anderen mit der Spielfreude der Westfalen, als deren Taktgeber sich Lincoln hervortat, der erstmals nach einer sechswöchigen Sperre wieder auflaufen durfte. Der Brasilianer war derjenige, der dem unattraktiven und zähen Fußball der Schalker in den vergangenen Wochen mit seinen individuellen technischen Qualitäten die nötige Leichtigkeit zurückbrachte. „Ich habe mich auf diese Partie richtig gut vorbereitet, damit ich so wiederkommen konnte“, sagte Lincoln.

Die Spielfreude und die Präsenz des 28-Jährigen strahlten positiv auf seine Teamkollegen aus. Selten hatte man Hamit Altintop so effektiv und unkompliziert spielen sehen. Kaum einmal in dieser Saison gewann Kevin Kuranyi in einer Partie so viele Zweikämpfe. So war es eine logische Folge, dass der vor Selbstbewusstsein fast überschäumende Schalker Angreifer gleich seine erste Torchance zur 1:0-Führung verwandelte. Im Anschluss dominierten die Gäste vor 20300 Zuschauern die Partie im ausverkauften Mainzer Stadion nach Belieben. „So wollen und können wir nicht auftreten, das war viel zu wenig“, sagte Jürgen Klopp. Der Trainer der Mainzer floh nicht in die typischen Durchhalteparolen vor einem drohenden Abstieg. Die Leistung, die ihm sein Team gestern anbot, schien selbst ihn nahezu sprachlos zu machen.

Hätten nicht Mladen Krstajic und Marcelo Bordon in der ersten Hälfte jeweils einen haarsträubenden Abwehrfehler begangen, die den Mainzer Mohamed Zidan dazu einluden, einen Treffer zu erzielen, dann wäre das Team von Klopp wohl nicht einmal gefährlich vor dem Tor von Manuel Neuer aufgetaucht. Doch Zidan scheiterte jeweils am Schalker Torhüter. Spätestens als Gerald Asamoah nach einer gekonnten Kopfballablage von Kuranyi den Ball zum 2:0 verwandelte, verloren die Mainzer auch den letzten Glauben an ihre Stärken. Beim 3:0, das Kuranyi mit einem klugen Pass vorbereitete, entblößten sie ihre Abwehr sogar derart, dass Lincoln von der Mittellinie alleine auf das Tor von Dimo Wache zulaufen konnte und mit einem spektakulären Heber vollendete.

An diesem Nachmittag war die Überlegenheit der Gäste so groß, dass sie jedes Mittel hätten anwenden können, um die Partie für sich zu entscheiden. Die Verunsicherung der Mainzer war in allen Mannschaftsteilen zu sehen. An diesem Nachmittag waren sie kein ebenbürtiger Gegner für den FC Schalke 04, bei dem Gerald Asamoah bereits in die nahe Zukunft schaute: „Wenn wir am vorletzten Spieltag in Dortmund Meister werden, dann gehe ich zu Fuß nach Hause.“

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