Schalke - Stuttgart 2:2 : Keine Keller-Party

Klaas-Jan Huntelaar verdirbt dem neuen VfB-Trainer Jens Keller einen perfekten Einstand und bewahrt den FC Schalke 04 vor der "Roten Laterne". So warten beide Vereine weiterhin auf den zweiten Saisonsieg.

Richard Leipold
Der Jubel von Stuttgarts Interimstrainer Jens Keller währte nur bis zur 80. Minute. Dann traf Huntelaar zum 2:2-Endstand, was keinem der beiden Teams weiterhilft.
Der Jubel von Stuttgarts Interimstrainer Jens Keller währte nur bis zur 80. Minute. Dann traf Huntelaar zum 2:2-Endstand, was...Foto: rtr

Die Fans des VfB Stuttgart hatten ein Transparent aufgehängt, das ihre Lieblingsmannschaft nach dem Trainerwechsel an ihre Pflichten erinnern sollte. „Jetzt seid Ihr am Zug!“, stand dort. Dieser Aufforderung sind die VfB-Profis nachgekommen. Unter der Regie ihres neuen Trainers Jens Keller erstritten sie ein 2:2 beim FC Schalke 04, der auch im vierten Bundesliga-Heimspiel der Saison ohne Sieg blieb. In einer spannenden Partie brachten Timo Gebhart und Martin Harnik die Schwaben zweimal in Führung. Edu und Klaas-Jan Huntelaar, mit einem Strafstoß, erzielten jeweils den Ausgleich.

Schalke gegen Stuttgart – das war in den vergangenen Jahren oft ein Spitzenspiel. Doch der schlechte Start beider Klubs hat die Koordinaten vorerst verschoben. Das Spitzenspiel wurde zum Krisengipfel, der die Frage aufwarf: Wem geht es (noch) schlechter? Für wen wird es noch brenzliger? Der Vorletzte Schalke traf auf den Letzten Stuttgart. Während die Westfalen mit ihrem Trainer und Manager Magath an der Spitze Ruhe zum obersten Gebot an einem sonst lauten Standort erhoben hatten, waren beim VfB branchenübliche Konsequenzen gezogen worden. Der Trainer wurde verantwortlich gemacht, für schuldig gesprochen – und ausgetauscht. Christian Gross musste seinem vorherigen Assistenten Jens Keller weichen, der als Übergangslösung gilt, sich aber für den Chefposten empfehlen will. Magath wollte die Wirren des Übergangs ausnutzen und sandte eine entsprechende Grußbotschaft in Richtung des VfB, den er vor einigen Jahren selbst aus der Abstiegszone herausgeführt hatte. „Wir müssen die Situation in Stuttgart für uns ausnutzen. Ein neuer Trainer, der erst seit zwei Tagen das Sagen hat, kann in dieser Zeit noch nicht viel verändern.“

Eines aber hatte sich durchaus geändert bei den Schwaben. Sie gingen von Beginn an beherzt ans Werk, als wäre nichts gewesen. Während die abermals umformierten und erneut nervös wirkenden Schalker sich noch sortierten, trat der VfB sofort offensiv auf – und kam auch früh zu seinen Chancen. Die erste Gelegenheit war jedoch Schalke-Keeper Manuel Neuer zu verdanken. Beim Versuch, den Ball wegzuschlagen, traf er den Stuttgarter Stürmer Ciprian Marica, der die Kugel neben das Tor lenkte. Doch Neuer machte seinen Fehler umgehend wett, als er einen Schuss von Marica zur Ecke abwehrte. Sekunden später vergab Kuzmanovic mit einem Kopfstoß die nächste Möglichkeit. Dennoch blieb die frühe Angriffslust des VfB nicht ohne Wirkung. Eine Kombination über Träsch und den Vorlagengeber Boka vollendete Gebhart zum Führungstreffer.

Solche Rückstände werden für Schalke allmählich zur Gewohnheit. In jedem der ersten vier Heimspiele schoss der Gegner das erste Tor. Die Westfalen kamen lange nicht ins Spiel und blieben bei ihren meist schlecht geführten Angriffsversuchen lange unproduktiv – bis ihnen eine Standardsituation half. In einem lichten Moment erwischte Edu, der statt Farfan im rechten Mittelfeld spielte, Jurados Eckball mit voller Wucht und traf Volley zum Ausgleich. Nach einer knappen halben Stunde war Schalke endlich im Spiel. Und die Spieler von Felix Magath fanden sogar Gefallen daran.

Das demonstrierten sie bereits in der Halbzeitpause. Einige Minuten früher als vorgeschrieben kehrten die Männer in Blau auf den Rasen zurück, als könnten sie es nicht erwarten weiterzumachen. Als auch die Stuttgarter wieder da waren, sahen sie sich einer elanvollen Heimelf gegenüber. Schalke übte Druck aus, kam auch zu Chancen, brachte aber wenig Zwingendes zustande. Das hätte ihnen Christian Gentner beinahe unfreiwillig abgenommen – seinen Kopfball in die falsche Richtung konnte VfB-Torwart Ulreich nur mit Mühe über die Latte lenken. Auf der anderen Seite wurden die Schwaben mit Kontern nicht selten selbst gefährlich. Einen dieser Gegenstöße nutzte der eingewechselte Harnik, um den VfB abermals in Führung zu bringen.

Doch das Drama war noch nicht zu Ende. Zum Entsetzen der Gäste aus Stuttgart sah Schiedsrichter Florian Meyer zehn Minuten vor dem Ende ein Foul von Serdar Tasci im Strafraum und entschied deshalb auf Elfmeter. Mit seinem harten und platzierten Schuss traf Huntelaar erneut zum Ausgleich, der schließlich Bestand hatte.

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