Sport : Schalke tut noch immer mit

Oliver Trust

Huub Stevens ist kein typischer Holländer. Meist wirkt der Trainer des FC Schalke 04 ziemlich verbissen - ein Charakterzug, der in Holland eher den Deutschen nachgesagt wird. Doch gestern war Stevens ungewohnt locker. Er solle doch mal was zur Meisterfrage sagen, fordern die Reporter vom Mann im Trainingsanzug nach dem 3:0 (1:0) über den 1. FC Kaiserslautern. "Wir tun noch immer mit", sagt Stevens. Einige schauen enttäuscht, weil er nichts sagt, was sich für die Kategorie Kampfansage eignet. Andere freuen sich über den schönen Spruch. Schalkes Manager Rudi Assauer lacht sich schlapp. "Wir tun noch immer mit", wiederholt er und haut Stevens kernig auf die Schulter. Dann lachen alle.

Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Der Vizemeister wirkt zufrieden mit sich und der Welt. "Es ist eine neue Qualität da, die Mannschaft kann auf ihre Chance warten", sagt Stevens. Das musste sie auch gegen den 1. FC Kaiserslautern. Und nachher schlichen die meisten Pfälzer wortlos davon. Nach der Meisterschaft fragte sie kaum einer. Wenn sie an diesem Nachmittag etwas bewiesen hatten, dann, dass sie wieder einmal um den internationalen Wettbewerb fürchten müssen. Schon nächste Woche geht es mit Leverkusen gegen die nächste Spitzenmannschaft. Bisher scheiterte Lautern gegen alle.

Selten haben sie in der Arena Auf Schalke eine Mannschaft erlebt, der so wenig eingefallen ist. Miroslav Klose und Mario Basler fehlten den Pfälzern zwar krankheitsbedingt, aber als gescheite Ausrede taugt das kaum. "Wir hatten sie fast so weit. Schalke ist nicht viel eingefallen, und im Stadion war es auch schön ruhig", beschrieb Thomas Hengen die Lage. "Dann dieses dumme Tor." Sekunden vor der Pause passierte es. Jörg Böhme schoss einen Freistoß in den Strafraum. Der Belgier Marc Wilmots stand in dieser 45. Minute zum ersten Mal frei vor Georg Koch und traf per Kopf.

Eine verdiente Führung, die wirkte wie eine Befreiung. Lautern schlüpfte aber auch zu bereitwillig in die Rolle des Trainingspartners. Dazu passte das 2:0 durch Andreas Möller. Ein Angriff über die linke Seite, drei, vier Spieler laufen in den Strafraum, Möller bleibt 18 Meter vor dem Tor stehen und schlenzt den Ball, wie bei den Übungsstunden unter der Woche, im weiten Bogen ins lange Ecke. Wenn die Schalker nur gewollt hätten, hätte Kaiserslautern hier hoch verloren. Im Endspurt um die Plätze im internationalen Geschäft aber wollte Schalke Kraft sparen. Trotzdem gab es noch ein blau-weißes Bonbon. Flanke Gerald Asamoah, in der Mitte wartet Victor Agali, und es steht 3:0 .

"Wir stecken die Ausfälle nicht so einfach weg wie andere", sagte Lauterns Trainer Andreas Brehme. Und als gelte es laut im dunklen Wald zu pfeifen, meinte er: "Nein, wir haben keine Angst vor einem Absturz, dazu ist die Mannschaft viel zu kompakt." Zumindest an diesem Abend sah es allerdings gar nicht danach aus. Und jetzt steigt der Druck. "Jetzt", sagte Ratinho, "muss unbedingt ein Sieg gegen Leverkusen her."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben