Schalker Finanzmisere : Magath: "Niemand hat etwas versteckt"

Wieder wird über weitere Schalker Millionenschulden berichtet. Felix Magath dementiert. "Da werden alte Kamellen aufbereitet", sagt der Manager und Trainer.

Jörg Strohschein
FC Schalke 04 - Hamburger SV
Der starke Mann auf Schalke: Felix Magath.Foto: dpa

Gelsenkirchen - So bemerkenswert der sportliche Aufschwung des FC Schalke 04 in dieser Spielzeit ist, was nicht zuletzt das 3:3 gegen den Hamburger SV zeigte, das die Mannschaft gestern Abend erzielt hatte, so kurios stellt sich die Finanzsituation der Westfalen dar. Es vergeht seit dem Sommer kaum eine Woche, in der die finanzielle Lage der Westfalen nicht thematisiert wird. Der Ruhrgebietsklub bietet seit Monaten eine große Angriffsfläche, weil er wenig Auskunft über seine finanziell angespannte Lage gibt.

Immerhin räumt Manager Felix Magath seit Beginn seiner Amtszeit ein, dass Schalke „nicht aus dem Vollen schöpfen kann“. Die jüngsten Berichte, beim Klub seien plötzlich 100 Millionen Euro Schulden aufgetaucht, bestreitet Magath vehement. „Das ist alles dummes Zeug, da werden alte Kamellen aufbereitet, immer wieder dasselbe. Niemand hat etwas versteckt“, sagt der 56-Jährige. Mit dieser Ansicht liegt Magath nicht falsch, zumindest, was die aktuellen Zahlen angeht. Der Verein trägt derzeit eine Schuldenlast von rund 136 bis 140 Millionen Euro. Zudem müssen die Schalker einen Kredit für das Stadion abtragen, von dem ihnen neben weiteren Kommanditisten rund drei Viertel gehören. Auf rund 88 Millionen Euro belaufen sich hier die Belastungen. Die Finanzierung für die Arena läuft noch bis 2015.

Außerdem werden dem Verein derzeit Liquiditätsprobleme in Höhe von 20 bis 30 Millionen Euro nachgesagt. Den mindestens 230 Millionen Euro Schulden stehen aber auch erhebliche Werte gegenüber. Zum einen das Stadion, zum anderen Spieler wie Neuer, Rafinha oder Jones. Allerdings sind einige dieser Werte bereits verpfändet. Würden Stadionanteile oder Spieler verkauft, hätte der Klub gleichwohl frisches Geld.

Eine weitere Einnahmemöglichkeit bestünde, wenn die Schalker ihr großes und schwer durchsichtiges Firmen-Geflecht, das vor allem der ehemalige Finanzvorstand und heutige Präsident Josef Schnusenberg aufgebaut hatte, auf weitere Mittel durchsuchen würden. Rund 110 Millionen Euro beträgt der Wert der Töchter, die unter anderem das Catering und das Ticketing betreiben.

Felix Magath jedenfalls hat das Geflecht noch nicht vollständig durchblickt. „Man hat das Gefühl, dass eine solch komplizierte Konstruktion dafür da ist, um gewisse Dinge nicht genau darlegen zu müssen“, sagte Magath.

Überraschender als diese Zahlen ist allerdings die Tatsache, dass die Schalker zu den 20 Vereinen aus der 1. und 2. Fußball-Bundesliga gehören, die das Nachlizenzierungsverfahren der Deutschen Fußball Liga (DFL) über sich ergehen lassen muss. In dieses Verfahren werden all die Klubs einbezogen, die ihre Saisonlizenz nur unter Auflagen erhalten haben. Noch im Sommer hatte der heutige Finanzvorstand Peter Peters gegenüber dem Fachmagazin „Reviersport“ erklärt: „Wir haben zum wiederholten Mal die Lizenz ohne jegliche Auflagen erhalten. Das ist doch ein eindeutiges Zeichen dafür, dass auf Schalke solide mit dem Geld umgegangen wird.“ Bis zum 31.Oktober muss der Klub seine Unterlagen bei der DFL eingereicht haben. Klubs, die Verstöße gegen ihre Auflagen begangen haben, können empfindliche Strafen von Geldstrafen, Punktabzug bis hin zum Lizenzentzug treffen. Somit dürften mindestens bis zur Bekanntgabe der Nachlizenzierungs-Ergebnisse die Nachrichten über die Schalker Finanzlage weitergehen. Jörg Strohschein

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