Schalkes Transfer-Coup : Raul wird bei Schalke Bundesliga-Topverdiener

Schalke holt Real Madrids Kapitän Raul in die Bundesliga und kündigt weitere Transfers an. Mit einem Jahresgehalt von sechs Millionen Euro gehört der Spanier künftig zu den Topverdienern.

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Der erste Beifall brandete bereits eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Ereignis auf. Rund 50 Anhänger des FC Schalke 04 versuchten sich irgendwie Eintritt in die Arena zu verschaffen und erblickten dabei Clemens Tönnies. Der Aufsichtratsvorsitzende war gerade auf dem Weg, um Raul, den neuen Star der Königsblauen, zu treffen und den großen Coup der Öffentlichkeit im Inneren des Stadions zu präsentieren. Mit stolz geschwellter Brust und einem freundlichen Gruß setzte Tönnies seinen Weg vorbei an den Anhängern fort.

Wenige Minuten später beschritten Tönnies und Trainer Felix Magath dann einen blauen Teppich, der auf dem Fußballfeld ausgelegt war. Die zwei grinsten über das ganze Gesicht. Sie schienen selber noch nicht glauben zu können, dass Raul künftig das Schalker Trikot überstreifen wird. Mit rund zehnminütiger Verspätung trat dann der eigentliche Star des Tages in Erscheinung. Mit dunklem Sakko, heller Stoffhose und einer freundlichen Miene grüßte er die rund 500 Zuschauer in der Arena und die rund 150 Journalisten. Schalke gab sich alle Mühe, einem Weltstar den richtigen Rahmen zu gewähren. Mit den pompösen Inszenierungen, wie sie Rauls alter Verein Real Madrid bei Kaka und Cristiano Ronaldo abgehalten hatte, konnte die Veranstaltung nicht mithalten. Musste sie auch nicht. Raul ist kein Typ, der gern im Mittelpunkt steht.

Raul hatte auch ein paar freundliche Worte mitgebracht. Letztlich habe er sich für Schalke entschieden, weil der Klub sich die größte Mühe um ihn gemacht habe. „Ich hatte sicher auch ein paar andere Angebote, aber ich wollte auf jeden Fall eine Auslandserfahrung machen“, sagte der 33-Jährige, der mit dem gestrigen Tag „16 Jahre Madrid endgültig abgeschlossen“ hat. Eine Zeit, in der er in 741 Pflichtspielen 323 Tore schoss, in der Champions League hat er mit 66 Toren so häufig wie kein anderer getroffen. Auch Titel hat er reichlich. Raul war unter anderem sechsmal Spanischer Meister und gewann dreimal die Champions League. Seinem neuen Klub wäre eine Meisterschaft, auf die Schalke seit 1958 wartet, mehr als genug.

Raúl tauscht das Trikot von Real Madrid gegen das von Schalke 04.
Raúl tauscht das Trikot von Real Madrid gegen das von Schalke 04.Foto: dpa

Seit zwei Tagen ist Raul in Deutschland, er hat sich mit dem Klub und der Region befasst. Aus England, aber auch aus den USA und Katar hatte Raul unterschriftsreife Offerten vorliegen, doch er fühlte sich noch zu fit, um seine Karriere als Fußball-Rentner auf einem anderen Kontinent ausklingen zu lassen.

Felix Magath schaute unterdessen fast ein wenig verlegen zur Seite und lauschte seinem neuen Spieler erst, um dann in Lobeshymnen auszubrechen. „Ich bin stolz, dass Schalke so einen Spieler vorstellen kann. Ich hoffe, dass wir mit einem der besten Spieler der Welt Erfolge feiern können“, sagte Magath. Rund zwölf Millionen Euro soll Raul in den zwei Jahren bei den Schalkern verdienen – ein königliches Gehalt. Eine Ablöse wird allerdings nicht für ihn fällig. Real Madrid entließ seinen ehemaligen Kapitän ohne finanzielle Forderungen in das Abenteuer Bundesliga. Raul besaß in Madrid noch einen Vertrag bis 2011.

Dennoch ist Raul ein kostspieliger Versuch, neue spielerische Qualität in die Mannschaft zu bekommen. „Ich bin mir sehr sicher, dass er vor allem unsere jungen Spieler weiterbringt und dass wir besser spielen werden“, sagt Magath, dessen Umbauarbeiten aber noch lange nicht abgeschlossen sind. „Damit sich Raul richtig freuen kann, müssen wir noch einiges tun. Seine Verpflichtung ist auch Verpflichtung für mich, alles zu tun, damit er zur Geltung kommt“, sagte der Trainer. Ein zweiter Angreifer soll noch kommen, zudem ein Spielmacher. Rund 30 Millionen Euro stehen dem Manager Magath insgesamt für Verpflichtungen zur Verfügung. „Felix Magath befindet sich voll im Rahmen des Budgets. Er geht vernünftig mit den Finanzmitteln um“, sagte Tönnies und machte in einer Lobrede keinen Hehl aus seiner Bewunderung für den Trainer.

Einen ähnlich positiven Eindruck über seinen neuen Chef scheint auch Raul gewonnen zu haben. „Ich bin hier, um hart zu arbeiten“, sagte der Spanier mehrfach. Diesem Wunsch wird ihm der Trainer auf jeden Fall erfüllen. Als die Präsentation nach rund 45 Minuten zu Ende war, schien Felix Magath noch immer berauscht von dem Ereignis. „Er ist ein Spieler, der eigene Interessen zurückstellt und nicht hierherkommt, um zu glänzen. Was soll ich sagen, ich dachte, so etwas sei schon ausgestorben“, sagte Magath, ehe er sich zum ersten Training mit Raul verabschiedete. „Er ist ein Ausnahmespieler und wird nicht behandelt wie alle anderen Spieler“, schickte er noch nach. Solche Zugeständnisse sind bei ihm äußerst selten.

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