Sport : Schamhafter Sieger

Dortmund schlägt Bremen 1:0, doch dem BVB ist der Erfolg beinahe peinlich

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Selten ist Bert van Marwijk ein Triumph so peinlich gewesen wie dieser. Nichts wollte der Trainer von Borussia Dortmund von den Jubelarien wissen, die gerade die schwarzgelbe Anhängerschaft im Chor auf der Südtribüne angestimmt hatten. Dank eines Treffers von Tomas Rosicky, der nach einer halben Stunde und einem Einwurf den zu langsam reagierenden Werder-Torwart Andreas Reinke per Flachschuss bezwang, besiegten die Borussen am Sonntag Meister Werder Bremen vor 81 300 begeisterten Augenzeugen im Stimmungstempel Westfalenstadion mit 1:0. Doch zufrieden wirkte van Marwijk hernach nicht.

„Es war ein glücklicher und unverdienter Sieg“, sagte der Fußball-Lehrer nach dem 13. Saisonsieg, der van Marwijk allein Anlass bot, den entthronten Meister zu preisen. „Bremen ist die fußballerisch beste Mannschaft der Liga; sie waren oft zu gut für uns“, sagte der Niederländer, um Nachfragen nach den vergebenen Konterchancen der Seinen mit dem Nachsatz zu versehen: „Für ein 2:0 hätte ich mich geschämt.“

Neben ihm saß Thomas Schaaf und stierte Löcher in die Luft. Sichtlich bemüht, noch Fassung zu bewahren, was ihm wiederum nicht gelang. Was Schaaf in Rage brachte, war der nicht geahndete Trikot-Zupfer von Sebastian Kehl gegen Nelson Valdez (87.). Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich – der Berliner leitete die spannende Partie bis dahin fehlerlos – pfiff nicht. Und kassierte ungewohnte Schelte von bremischer Seite. „Da hat der DFB wirklich unheimlich viel Fingerspitzengefühl bewiesen“, lästerte Schaaf, „uns den Schiedsrichter zu schicken, der uns vor ein paar Tagen ein paar Kilometer weiter im DFB-Pokal-Halbfinale ein astreines Tor aberkannt hatte.“ Schaaf spielte damit auf den Pokal-Krimi auf Schalke am 19. April an, als Fröhlich kurz vor Schluss einen Klasnic-Treffer die Anerkennung verweigert hatte. „Für die Entscheidungen, die diese Saison gegen uns ausgelegt wurden, fehlt mir jedes Verständnis.“ Wenigstens war Schaaf so ehrlich, um einzugestehen, dass der Tabellenfünfte nicht allein deshalb die letzte Chance auf Platz drei vergab. Beinahe fahrlässig verschluderte der technisch wie taktisch überlegene Gast seine Chancen – Klasnic und Pasanen scheiterten am starken Torwart Weidenfeller, Jensen, Valdez oder Borowski zielten zu ungenau. „Wir haben gut gespielt“, sagte Manager Klaus Allofs, „aber in der Chancenverwertung waren wir nicht gut.“ Mit fatalen Konsequenzen: „Die Champions League hat sich für uns erledigt.“

Borussia Dortmund dagegen frohlockt, nun die Berechtigung für den UI-Cup sicher zu haben. „Das ist eine Belohnung“, findet Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der in weiser Voraussicht alle Dauerkarteninhaber dieser Tage damit lockt, für einen geringen Mehrpreis mit der Dauerkarte auch gleich den Eintritt zu drei UI-Cup-Spielen zu erwerben.

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