Sport : Scharfe Sache

Herthas Spieler Thorben Marx wird vom Verdacht des Drogenkonsums freigesprochen

Michael Rosentritt

Berlin. Die Aufregung stand Dieter Hoeneß noch einen Tag später auf der Stirn geschrieben. Auslöser der Turbulenzen war Herthas Spieler Thorben Marx, der im Zuge einer Polizeikontrolle mit Drogenkonsum in Verdacht gebracht worden war. „Mir wird Angst, wenn wegen eines unbegründeten Verdachts ein junger Mensch in eine solche Situation gebracht wird“, sagte der Manager gestern und gab erleichtert zu Protokoll: „Das Untersuchungsergebnis der Polizei ist negativ.“

Am späten Mittwochabend war der Spieler im Straßenverkehr wegen überhöhter Geschwindigkeit auffällig geworden. Der Polizist stellte beim 22-Jährigen rot unterlaufene Augen sowie eine schweißbedeckte Stirn fest, worauf er ihn zum Drogentest mit einem „Drugwipe“, einer Art Fieberthermometer, bat, das über die Stirn geführt wird. Da sich der Teststreifen verfärbte, lag der Verdacht auf Drogenkonsum nahe. Marx wurde gebeten, sich in einer Polizeidirektion einer Blutprobe zu unterziehen. „Ich hatte nichts zu verbergen“, erzählte Marx später. Er habe unmittelbar zuvor ein Pfeffersteak gegessen, weshalb ihm heiß gewesen sei.

Kurz nach dem Bekanntwerden des Verdachtes am Donnerstag hatte Dieter Hoeneß den Fall Marx zur Chefsache erklärt. Da dem Spieler am Mittwoch gesagt worden war, dass erst in einer Woche mit einem Ergebnis der Blutprobe zu rechnen sei, lief Hoeneß heiß. „Man muss sich mal vorstellen, wenn so ein Verdachtsmoment eine Woche durch die Öffentlichkeit geistert“, sagte der Manager, auf dessen Drängen die Polizei kooperierte und schon gestern das Testergebnis „negativ“ bekannt gab.

„Mir fehlen die Worte“, sagte Hoeneß gestern, nachdem er deswegen am Vorabend eine Aufsichtsratssitzung hatte sausen lassen. Es sei nicht darum gegangen, irgendetwas zu vertuschen, sondern darum, Thorben Marx zu schützen – „wohl wissend, dass solche Verdachtsmomente eine besondere Gestalt annehmen können“, sagte Hoeneß. Auf Betreiben des Vereins hin unterzog sich Marx noch am Donnerstag einem Urin-Schnelltest im Urban-Krankenhaus. Mit dieser Methode konnte festgestellt werden, dass innerhalb der zurückliegenden vier Tagen keine Drogen in den Körper des Spielers gelangt waren. „Die Untersuchung ergab, wovon wir von Anfang an überzeugt waren“, sagte Hoeneß. „Der Thorben war fix und fertig gewesen. Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses schossen ihm die Tränen aus den Augen.“

Dafür hatte der Manager Verständnis. Die Trefferquote der Wischtests liege zwischen 20 und 60 Prozent. Der, der dieses wackelige Verdachtsmoment an die Öffentlichkeit gegeben habe, sei sich nicht bewusst darüber, „dass solche Dinge Karrieren von jungen Menschen zerstören können, die ihr Leben noch vor sich haben – und das wegen nichts, wegen gar nichts“, sagte Hoeneß.

Für Hertha ist damit „das unappetitliche Thema“ (Hoeneß) beendet. Folgen hat diese Angelegenheit für Marx nicht. „Thorben war und ist ein normaler Spieler von Hertha BSC“, sagte Trainer Huub Stevens. „Die Spieler werden ja regelmäßig auf Doping kontrolliert.“ Das Verbreiten von Verdachtsmomenten sei für Stevens „ein Schlag unter die Gürtellinie.“ Es spricht nichts dagegen, dass Marx zum Aufgebot für das Bundesligaspiel am Sonntag beim 1. FC Nürnberg gehört.

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