Sport : Schatten auf der Zukunft

Neuer Streit zwischen dem Deutschen Tennis-Bund und LTTC Rot-Weiß gefährdet Berlin als Standort der Katar German Open

Benedikt Voigt

Berlin - Beinahe wäre Georg von Waldenfels höchstpersönlich mit einem Tablett durch die Lounge des Hauptsponsors der Katar German Open gegangen und hätte Häppchen verteilt. „Bitte bedienen sie sich“, sagte der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes immer wieder zu den anwesenden Journalisten. So nachdrücklich bot von Waldenfels die Schnittchen an, dass man den Eindruck bekam, der Verzehr von belegten Brötchen sei ihm ein äußerst wichtiges Anliegen. Aber vielleicht ist das kulinarische Ambiente besonders bedeutsam, wenn man sich auf einer Rettungsmission befindet.

Bei den Katar German Open ist ein Streit zwischen dem Deutschen Tennis-Bund und dem LTTC Rot-Weiß ausgebrochen und überschattet das Turnier und dessen ohnehin ungewisse Zukunft. Klubchef Hans-Jürgen Jobski droht mit einer Klage gegen den Verband, er will für Rot-Weiß eine Million Euro aus dem für 6,7 Millionen Euro erfolgten Verkauf des Turniers im vergangenen Jahr an den Tennisverband Katars. Zudem kritisierte Jobski zu Wochenbeginn die aktuelle Form des Turniers als „Totgeburt“. Ein Zitat, das er inzwischen als „aus dem Zusammenhang gerissen“ nennt. Es hat jedoch für große Aufregung gesorgt. Georg von Waldenfels reiste am Freitag zum zweiten Mal aus München an, um die Spannungen zu mildern. „Es dürfen keine falschen Signale an die Katarer ausgehen“, sagt der Verbandspräsident. Und: „Wir treten hier nicht als Bittsteller auf, wenn das Turnier hier unerwünscht sein sollte, muss man eine andere Lösung suchen.“ So könne er sich Hamburg als Alternative vorstellen.

Bereits in der Vergangenheit war das Verhältnis zwischen dem Veranstalter DTB und dem Ausrichter Rot-Weiß nicht einfach, nun aber kommt mit dem neuen Veranstalter aus Katar eine dritte Partei hinzu. „Zwischen uns und den Katarern passt kein Blatt Papier“, sagt von Waldenfels. Verkäufer und Käufer des Turniers steht jedoch der Ausrichter Rot-Weiß gegenüber, der die Anlage an der Hundekehle zur Verfügung stellt. „Wir bekommen keinen Pfennig dafür“, sagt Jobski. Da ihm der alte Vertrag mit dem DTB ein Viertel des Gewinns aus dem Turnier zusichert, will er nun an dem Erlös aus dem Verkauf im vergangenen Jahr beteiligt werden. „Eine Anwaltskanzlei hat unsere Ansprüche als so begründet bezeichnet, dass es leichtsinnig für den Klub wäre, auf sie zu verzichten“, sagt Jobski. Noch aber strebe er eine gütliche Einigung mit dem Tennisverband an. Von Waldenfels zeigt sich von der angestrebten Klage verwundert. „Ich habe das erst über die Medien erfahren.“

Wie kompliziert die Verhältnisse auf der Tennisanlage an der Hundekehle sind, zeigt der Eklat um das Programmheft der German Open. Ein Artikel darin hatte die Zeit des Nationalsozialismus verharmlost und musste eingezogen werden. Der hauptamtliche Klubdirektor Lars Rehmann, der den Artikel mit seinem Namen unterzeichnet hatte, wurde suspendiert. Wer tatsächlich verantwortlich ist, ist unklar. „Wir haben mit dem Heft nichts zu tun, das ist Sache der Katar Tennis Federation GmbH“, sagt Jobski. Der neue Turnierdirektor Ayman Azmy Galal hingegen sagt: „Das ist nicht unser Problem, das Heft ist vom Klub überprüft worden.“

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die aktuelle ménage à trois im Grunewald nicht lange Bestand haben wird. Der Tennisklub Rot-Weiß geht davon aus, dass das Berliner Turnier der höchsten Klasse „Tier 1“ im Jahr 2007 endgültig nach Doha geht. „Das ist eine Information, die mir aus Kreisen der WTA zugetragen wurde“, sagt Jobski. Dann werde das „Tier 1“-Turnier im Februar in Katar stattfinden, im Gegenzug könne Dohas „Tier 2“-Turnier vielleicht nach Berlin ziehen. „Die Katarer könnten es aber auch veräußern“, sagt Jobski. Die WTA dementiert derartige Pläne, auch Scheich Mohammed Bin Faleh al Thani sagt: „Das Turnier bleibt so lange in Berlin, wie wir unsere Ausgaben hier decken können.“

Die Verantwortlichen von Rot-Weiß planen eine Mannschafts-Weltmeisterschaft, wie es der World-Team-Cup in Düsseldorf bei den Herren ist. Der WTA-Chef Larry Scott sagte zu diesen Plänen: „Meine Politik ist: Keine neuen Turniere.“ Von Waldenfels reagiert auf die neuen Pläne ironisch. „Wer so etwas sagt, muss ja eine Finanzierung haben. Luftblasen zu verbreiten bringt nichts.“

Es gibt sehr viel zu besprechen zwischen dem Tennis-Bund und Rot-Weiß. Am Samstagmorgen haben sich von Waldenfels und Jobski erstmals auf der Tennisanlage getroffen. Jobski berichtet: „Es war Small Talk.“

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