Sport : Schaulaufen für die Endspiele

Die Eisbären schlagen Augsburg 2:1 und gehen als Tabellenerster in die Play-offs

Claus Vetter

Berlin. Gestern ereignete sich ein besonderer Moment in der Geschichte des EHC Eisbären. Nach dem 2:1 (1:0, 1:0, 0:1)-Erfolg gegen die Augsburger Panther steht bereits zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde fest, dass die Berliner als erstplatziertes Team in die am 12. März beginnenden Play- offs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gehen werden. Und so etwas haben die Eisbären so souverän noch nie in der DEL erreicht. Nur einmal zuvor – in der Saison 1997/98 – beendeten sie die erste Runde auf Platz eins. Damals allerdings punktgleich mit dem Tabellenzweiten, den Frankfurt Lions.

Dass Resultate von historischer Tragweite nicht immer aus großen sportlichen Ereignissen hervorgehen müssen, dies wurde im gestrigen Spiel im Sportforum Hohenschönhausen belegt. Die Konstellation vor dem Spiel versprach ja auch nicht unbedingt beste Unterhaltung. Wenn für die Berliner die Saison in einer Woche mit Beginn der Play-offs in die entscheidende Phase tritt, ist das Augsburger Spielerpersonal bereits im Urlaub. Dass die Schwaben die Play-offs nicht mehr erreichen können, stand schon vorher fest, und dass die Berliner Erster werden würden, war so gut wie sicher. Und was im Eishockey herauskommen kann, wenn zwei Mannschaften sich nicht zu sehr bedrängen wollen, bekamen 5000 Zuschauer im Sportforum vorgeführt.

Immerhin, bevor auf dem Eis kollektives Schaulaufen angesagt war, gab es ein paar unterhaltsame Minuten. Zum einem wurde das Spiel mit dem Bully eines Geschwisterpaares begonnen: Der Augsburger Björn Barta verlor das Anspiel gegen seinen jüngeren Bruder Alexander von den Eisbären. Und nach diesem ungeahnten, ersten Höhepunkt war dann amüsant zu beobachten, wie der Augsburger Torhüter Magnus Eriksson in seinem Tor überflüssig aufgeregt herumhüpfte. Warum der Schwede in der Anfangsphase so viel Hektik veranstaltete, war nur schwer ersichtlich. Vermutlich lag der Aktionismus von Eriksson darin begründet, dass sich seine Vorderleute für das Spielgerät zunächst nicht interessierten – was dann auch früh bestraft wurde. Eriksson brachte einen Schuss von Eisbären-Verteidiger Brad Bergen nicht unter Kontrolle, Florian Keller nahm den abprallenden Puck, umkurvte den Augsburger Torhüter und traf in der vierten Minute zum 1:0 für die Eisbären.

Fast zwei – überwiegend belanglose – Drittel später, in der 39. Minute, war es dann Rob Shearer, der das 2:0 erzielte. Zehn Minuten vor Ende war Augsburg dran: Wostrikow verdarb Richard Shulmistra den Nachmittag, indem er mit dem Treffer zum 1:2 dem Berliner Torhüter die Aussicht auf einen Abend ohne Gegentor raubte. Trotz dramatischer Schlussphase - mehr sollte nicht passieren, sodass sich die Spieler der Eisbären von ihren Fans feiern lassen durften.

Es braucht kein abgeschlossenes Philosophiestudium, um festzustellen, dass die Berliner mit dem erfolgreichen Abschneiden in der Hauptrunde „bislang nichts gewonnen haben“, wie Manager Peter John Lee feststellte. Wer hinhören wollte, der musste dieses Zitat gestern im Sportforum Hohenschönhausen an jeder Ecke ertragen. Andererseits: Wer hätte nach den Enttäuschungen der vergangenen drei Jahre – wo die Berliner nur einmal das Viertelfinale erreichten - gedacht, dass die Eisbären ihre Fans über Monate hinweg mit attraktivem und erfolgreichem Eishockey verwöhnen würden wie zuletzt? Insofern ist die Spielzeit für die Eisbären schon jetzt ein Erfolg – auch wenn der Druck in den Play-offs nun hoch ist.

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