Sport : Schicksal Olympia

Ludger Beerbaum greift nach einem Rekord

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Ludger Beerbaums Mannschaftskollegen haben es wieder gut mit ihm gemeint. Vor vier Jahren, bei den Olympischen Spielen in Sydney, ritten sie so erfolgreich, dass Beerbaums fehlerhafte Umläufe nicht in die Wertung kamen und die deutsche Mannschaft dennoch Gold im Springreiten gewann. Diesmal in Athen haben sie Beerbaum ein Kürspringen mit seinem Pferd Goldfever ermöglicht. Denn schon vor Beerbaums letztem Ritt hatte die deutsche Mannschaft den Olympiasieg sicher.

Es wurde tatsächlich eine Vorführung für ästhetisches und erfolgreiches Springreiten, denn Beerbaum blieb ohne Fehler. Er hat sich daher auch für die Einzelkonkurrenz am Freitag in eine hervorragende Ausgangsposition gebracht. Hinter der Amerikanerin Beezie Madden liegt er auf Platz zwei. Die Amerikanerin war auf ihrem Pferd Authentic zweimal fehlerlos geritten und mit der amerikanischen Mannschaft hinter der deutschen auf Platz zwei gelandet. Der Abstand zur deutschen Mannschaft mit Beerbaum, Christian Ahlmann auf Coster, Marco Kutscher auf Montender und Otto Becker auf Cento betrug jedoch insgesamt zwölf Punkte.

Ludger Beerbaum haben diese Olympischen Spiele sehr bewegt. „Man muss aufpassen, dass man nicht in Emotionen absäuft“, sagt er. Es fing schon bei der Eröffnungsfeier an, als Beerbaum die Fahne der deutschen Mannschaft tragen durfte. „Das hat alles getoppt, was ich bisher erlebt habe“, erzählt er. Am Dienstagabend dann hat er ein noch nicht ganz verschwundenes Gefühl noch weiter vertreiben können. Es ist der Schmerz, den Beerbaum von den Spielen 2000 mitgenommen hatte. „Der Stachel saß tief“, sagt der 41 Jahre alte Niedersachse. „So richtig verdrängen kann man solche Tiefpunkte nie, aber Goldfever hatte sich nochmal eine Chance verdient.“

In seinem ersten Umlauf des Mannschaftsfinales am Dienstagabend handelte sich Beerbaum nur einen Fehlerpunkt ein. „Der eigenen hippologischen Seele hat das sehr gut getan.“ Im deutschen Springreiten ist Beerbaum eine Klasse für sich, die gewonnene Goldmedaille ist schon seine fünfte. Fünfmal Gold, das ist bei den Springreitern bisher nur Hans-Günter Winkler gelungen. Ihn könnte Beerbaum mit einer Goldmedaille im Einzelspringen übertrumpfen. „Wenn man es genau nimmt, ist das natürlich ein Ziel“, gestand Beerbaum. Und wenn es diesmal nicht klappt, dann werde er es 2008 in Peking versuchen. „Goldfever ist dann zwar 17 Jahre alt. Aber ich habe auch noch zwei, drei junge Pferde im Stall.“

Als Beerbaum die Goldmedaille zusammen mit seinen Mannschaftskollegen feierte, bekamen sie um halb fünf am Morgen Besuch von griechischen Polizisten, die die deutschen Springreiter um etwas mehr Ruhe baten. Doch die Deutschen luden sie kurzerhand zum Feiern ein und machten einfach weiter. Bundestrainer Kurt Gravemeier berichtete: „Die jungen Leute sind um halb sechs noch ins Meer gesprungen.“ Marco Kutscher und Christian Ahlmann nahmen noch ein Bad. Ludger Beerbaum hatte von der Feier noch dies in Erinnerung: „Wir haben getanzt, getrunken und bis zum Morgengrauen gefeiert. Die ganze Anspannung musste mal raus.“ teu

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