Schiedsrichter : Italiener Rosetti pfeift das Finale

Die EM 2008 geht am Sonntag mit einem Novum zu Ende. Als erster Schiedsrichter der EM-Geschichte eröffnet und beendet Roberto Rosetti das Turnier. Nach dem Auftaktspiel zwischen der Schweiz und Tschechien pfeift der Italiener auch das Finale zwischen Deutschland und Spanien. Zur Freude von Pierluigi Collina.

Ingo Schmidt-Tychsen
Rosetti
Der gute Italiener. Roberto Rosetti (Mitte) soll den Ruf der Unparteiischen seines Landes wiederherstellen.Foto: dpa

Roberto Rosetti nimmt es manchmal sehr genau. Beim Confed-Cup 2005 in Deutschland zum Beispiel. Brasilien spielte gegen Mexiko und Schiedsrichter Rosetti pfiff einen Elfmeter. Jared Borgetti trat an und traf für Mexiko. Doch Rosetti ließ ihn noch einmal schießen, weil ein Spieler etwas zu früh in den Strafraum gelaufen war. Beim zweiten Versuch schoss Borgetti an die Latte. Wiederholung. Beim dritten Mal schließlich hielt Brasiliens Torwart Dida – und zum Leidwesen Borgettis pfiff der Italiener nicht noch einmal. Aber für die Geschichte des Spiels, das Mexiko doch noch 1:0 gewann, hatte Rosetti gesorgt.

Der 40 Jahre alte Schiedsrichter steht dennoch nicht im Verdacht, ein Egozentriker zu sein. Selbstinszenierungen sind von ihm nicht bekannt. Dem Krankenhaus-Direktor aus Turin geht es vielmehr um Genauigkeit. Auch deshalb wurde er von der Uefa für das Finale zwischen Deutschland und Spanien berufen. „Er hat sich das Finale mit hervorragenden Leistungen bei der EM verdient“, sagt der ehemalige Welt-Schiedsrichter des Jahres Pierluigi Collina. Für Italiens Schiedsrichter-Koordinator hat die Berufung Rosettis viel Bedeutung, weil sie seiner Meinung nach den Glauben an das italienische Schiedsrichterwesen ausdrückt. Uefa-Präsident Michel Platini sieht das genauso: „Rosettis Nominierung ist ein Signal an Italien.“ 2006 war herausgekommen, dass Juventus Turins Manager Luciano Moggi systematisch Schiedsrichter bestach und Spiele manipulierte – seitdem bemüht sich der italienische Fußball um die Wiederherstellung seiner Glaubwürdigkeit.

Rosetti könnte am Sonntag einen Teil dazu beitragen. Es sei „der wichtigste Moment meines Lebens“, sagt er artig. Er bringt es bisher auf 13 Champions-League-Einsätze, über 150 in der italienischen Serie A und vier bei der WM 2006. Bei dieser EM ist Rosetti häufiger im Einsatz als alle seine Kollegen – das Finale wird sein viertes Spiel sein, nach den Vorrundenbegegnungen Schweiz – Tschechien und Griechenland – Russland sowie dem Viertelfinale Kroatien – Türkei.

Roberto Rosetti war stets sicher, allein im Eröffnungsspiel zwischen der Schweiz und Tschechien gab es eine zweifelhafte Szene. Als Tschechiens Tomas Ujfalusi der Ball im Strafraum an den Arm sprang, ließ Rosetti das Spiel laufen. Urs Meier ätzte als Experte im ZDF: „Die Hand hat da oben nichts zu suchen. Und das sage ich nicht als Schweizer, sondern als ehemaliger Schiedsrichter.“ Tschechien siegte 1:0, weshalb eine österreichische Zeitung die Berufung Rosettis fürs Finale als „Katastrophe“ bezeichnete. Mit einem souveränen Auftritt kann Roberto Rosetti heute auch diese Kritiker zum Schweigen bringen.

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