Schiedsrichter Kempter : Anpfiff mit Bodyguard

63 Tage nach seinen Anschuldigungen gegen den Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell wegen sexueller Belästigung kehrt Schiedsrichter Michael Kempter in der Dritten Liga auf den Fußballplatz zurück.

Tobias Schall[Sandhausen]
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Michael Kempter -Foto: ddp

Zwei Minuten Nachspielzeit gönnte sich Michael Kempter, dann war es vollbracht. Der Fußballschiedsrichter pfiff ab, die Spieler der Drittligaklubs SV Sandhausen und Holstein Kiel bedankten sich nach dem 1:1 artig bei ihm, und als der 27 Jahre alte Unparteiische den Platz verließ, klatschten ihm ein paar Fans sogar Beifall. „Da ist es mir kalt den Rücken heruntergelaufen“, sagte Michael Kempter.

Dass die Partie zwischen kein normales Drittligaspiel war, bewiesen die rund 50 Medienvertreter, die sich für dieses Spiel akkreditiert haben. An den Eingangstoren wurden die 1370 Zuschauer verstärkt auf Transparente kontrolliert. Es sollte verhindert werden, dass Michael Kempter schriftlich beleidigt werden könnte. Vor seiner Kabinentür hatte sich ein von Kopf bis Fuß tätowierter Bodyguard aufgebaut. Auch beim Gang auf den Platz wurde der Schiedsrichter von einer Sicherheitskraft begleitet. Das alles geschah, weil Michael Kempter 63 Tage nach seinen Anschuldigungen gegen den Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell wegen sexueller Belästigung erstmals wieder ein Fußballspiel leiten durfte. Am Mittwoch hatte er nach einem erfolgreichen Leistungstest vom Schiedsrichterausschuss die Erlaubnis für seine Rückkehr erhalten.

„Es war ein sehr aufregendes Spiel für mich“, sagte Michael Kempter in einer kurzen Pressekonferenz, bei der keine Nachfragen erlaubt waren. „Auf mir lastete ein großer Druck, ich bin froh, dass alles so gut gelaufen ist.“ Tatsächlich hatte Kempter das Spiel jederzeit im Griff. Abgesehen vom Beifall am Ende gab es keine Zuschauerreaktionen auf das Comeback von Michael Kempter. Die meisten Fans haderten eher mit der Unfähigkeit der Heimmannschaft, den Tabellenletzten zu schlagen. Kritik gab es nur von Kempters Gegenspieler Manfred Amerell, der sich in der „Bild“-Zeitung äußerte: „Diese Ansetzung passt zum System Zwanziger, der alles tut, um seinen Kopf zu retten. Für einen Schiedsrichter ist es wichtig, ehrlich und glaubwürdig zu sein. Das ist Kempter nicht.“ Die Spieler auf dem Feld haben das nach Auskunft von Michael Kempter anders gesehen. „Das Spiel war geprägt von gegenseitigem Respekt“, sagte er, „die Spieler haben alle Entscheidungen akzeptiert, das ist das größte Kompliment, das man einem Schiedsrichter machen kann.“

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