Sport : Schiedsrichter lebenslang gesperrt

Sportgericht reagiert auf antisemitische Vorfälle

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Berlin - Das Sportgericht des Berliner Fußball-Verbands (BFV) hat Schiedsrichter Klaus Brüning auf seine Schwarze Liste gesetzt. Damit ist er aus dem BFV ausgeschlossen und darf in Berlin keine Spiele mehr pfeifen. Mit diesem Urteil reagierte das Gericht auf Brünings Verhalten während des Kreisligaspiels von TuS Makkabi II bei VSG Altglienicke II. Die Spieler des jüdischen Vereins Makkabi waren von Zuschauern solange beschimpft und bedroht worden, bis sie in der 78. Minute das Spiel abbrachen.

BFV-Präsident Bernd Schultz begrüßte das Urteil: „Weghören, nicht Reagieren und Hilfeunterlassen muss bestraft werden.“ Brüning hatte in seinem Spielbericht und vor dem Verbandsgericht angegeben, keine antisemitischen Parolen gehört zu haben. Außerdem hatte er einen Makkabi-Spieler vom Platz gestellt, als dieser ihn zum wiederholten Mal aufforderte, gegen die pöbelnden Zuschauer vorzugehen. Brüning war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Makkabi-Vorsitzende Tuvia Schlesinger bezeichnete die lebenslange Sperre für den Schiedsrichter als eine „richtige Maßnahme“, immerhin sei er „eine Hauptperson“ der Vorfälle. Ein Polizeisprecher sagte, dem Schiedsrichter sei „strafrechtlich nichts vorzuwerfen“.

Der Zentralrat der Juden verurteilte gestern die Strafe gegen den Verein VSG Altglienicke als eine „moralische Bankrotterklärung“. Der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, nannte das Urteil „grotesk milde“, „lächerlich“ und „brandgefährlich“.

Verbandspräsident Schultz hatte vorher Vorwürfe zurückgewiesen, Altglienicke sei zu milde bestraft worden. Der Verein muss künftig bei Heimspielen Ordner stellen, Spieler und Trainerin müssen zu einem Anti-Rassismus-Training. „Das Training kostet den Verein rund 1000 Euro“, sagte Schultz, „das ist schon eine Sanktion, die nicht ganz ohne ist“. lsp

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