Sport : Schiedsrichter leer

Mathias Klappenbach sucht mit Christoph Daum nach dunklen Mächten

Mathias Klappenbach

Christoph Daum ist ein großer Trainer, deshalb darf er natürlich nicht als einfallsloser Nachahmer in die Fußballgeschichte eingehen. Die Mutter aller Wutreden hat einst Giovanni Trapattoni gehalten, ein in der Form ähnlicher Auftritt würde immer damit verglichen werden. Auch das „Käse, Scheißdreck, Mist“-Genre ist schon vom ehemaligen Bundestrainer Rudi Völler vereinnahmt worden. Und Klaus Augenthalers Pressekonferenz aus der Vorsaison, in der er sich kurz vor seiner Entlassung als Trainer in Wolfsburg einfach selbst interviewte, hat Christoph Daum eine weitere spektakuläre Form der Außendarstellung weggenommen.

Die Disziplin Wutrede ist abgegrast. Trapattoni beschimpfte die eigenen Spieler, Völler die Journalisten, Augenthaler indirekt die Vereinsführung. Was bleibt für den großen Trainer des großen 1. FC Köln da noch übrig? Natürlich das, was immer genommen wird, wenn nichts anderes mehr nach außen vermittelbar erscheint: die Verschwörungstheorie.

Es gehört zu Verschwörungstheorien, dass zunächst eine Konkretisierung (ein Schiedsrichterpfiff) vorgenommen wird, die dann unzulässig verallgemeinert wird (dauernde und systematische Benachteiligung). Das führt oft zur sogenannten Zentralsteuerungshypothese, nach der geheime Mächte hinter allem stecken. Mit der dunklen schwarzen Macht der Schiedsrichter hat Daum, sprich Köln, die größte dieser Hypothesen im Fußball für sich vereinnahmt.

Was bleibt jetzt eigentlich noch für Joachim Löw, falls Deutschland heute 0:6 in Wembley verliert?

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