Schiedsrichterin Steinhaus : "Für mich wird keine Extrawurst gebraten"

Zuletzt war sie beim G-8-Gipfel im Polizei-Einsatz, bald pfeift sie Spiele in der Zweiten Liga: Bibiana Steinhaus ist als erste Schiedsrichterin im deutschen Profifußball vorgestellt worden.

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Bibiana Steinhaus: Die Spieler müssen nach ihrer Pfeife tanzen. -Foto: ddp

Frankfurt/MainMit Konsequenz, Transparenz und der richtigen Tonlage will sich Bibiana Steinhaus in der Zweiten Fußball-Bundesliga behaupten. Als erste Frau wird die Schiedsrichterin des Jahres 2007 ab der kommenden Saison Profispiele in Deutschland pfeifen. Die Vorfreude auf die neue Herausforderung ist bei der 28-Jährigen genauso groß wie ihre Erwartungshaltung. "Ziel ist es, die Spiele gut zu leiten und positiv zu beeinflussen. Zu meiner Zufriedenheit und der aller Beteiligten", sagte die Polizeibeamtin aus Hannover.

Im sportlich-eleganten Hosen-Anzug erschien Steinhaus zu ihrer Vorstellung in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt/Main, wo sie ihren ersten öffentlichen Auftritt locker und selbstbewusst meisterte. "In der kommenden Saison wird sich vor allem eines ändern - die Medienpräsenz. Aber auch die Schnelligkeit und der Körpereinsatz werden anders sein als bisher", mutmaßte Steinhaus.

Seit zwölf Jahren an der Pfeife

Einst versuchte sie sich als linke Verteidigerin, "doch das war nicht wirklich Erfolg versprechend. Daher habe ich mich auf die Schiedsrichterei konzentriert", berichtete sie von den Anfängen ihres zeitintensiven Hobbys. Ihr Vater, selbst Schiedsrichter und heute noch bei Spielen der alten Herren im Einsatz, gab den Anstoß. Seit zwölf Jahren pfeift die in Bad Lauterberg (Harz) geborene Blondine Fußballspiele, und dies mit zunehmendem Erfolg. 1999 debütierte Steinhaus in der Frauen-Bundesliga, 2001 folgte die erste Berufung für die Regionalliga.

"Dort haben wir sie seither beobachtet. Es gibt keinen Grund, sie nicht in Profispielen einzusetzen", begründete Volker Roth, Vorsitzender des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, die getroffene Entscheidung. Roth ist zuversichtlich, dass Steinhaus die Aufgabe mit Bravour meistern wird. "Ich bin sicher, dass sie auch in der Zweiten Liga ihren Mann stehen und mit guten Leistungen aufwarten wird", sagte Roth.

"Tätigkeiten als Schiedsrichterin und Polizistin sind ähnlich"

Steinhaus, die zuletzt beim G-8-Gipfel in Heiligendamm als Führungsassistentin im Polizei-Einsatz war, freut sich auf tolle Stadien und brisante Partien. "Die Tätigkeiten als Schiedsrichterin und Polizistin sind ähnlich. Es ist ein Vorteil, dies verbinden zu können", sagte Steinhaus.

Schwierigkeiten mit den Profis erwartet sie nicht. "In den oberen Ligen ist der Umgang anders. Die Spieler präsentieren sich anders, weil ihre Arbeitsplätze davon abhängen. Die verbale Hemmschwelle ist eine andere als auf Kreis- oder Bezirksebene. Dort haben die verbalen Entgleisungen und körperlichen Übergriffe zugenommen", erklärte Steinhaus. Auch sie hat diese Erfahrung in ihrer Laufbahn machen müssen. "Ich hatte Negativerlebnisse zu verzeichnen. Es gab zwar keine tätlichen Übergriffe, aber verbale Entgleisungen", berichtete Steinhaus.

Hohe Ansprüche

Sollte ihr Streben nach Perfektion von Erfolg gekrönt werden, muss sie dumme Macho-Sprüche künftig wohl nicht mehr fürchten. "Ich will konsequent mit den Teams umgehen und kommunikativ sein. Der Anspruch an meinen eigenen Perfektionismus ist hoch. Wo mich das hinführt, weiß ich nicht", erklärte Steinhaus.

Vielleicht in die Bundesliga, wohin es in Deutschland bislang erst eine Frau schaffte. 1995 stand Gertrud Gebhard in zwei Spielen als Assistentin an der Linie - und verschwand danach wieder in den Niederungen. Für Steinhaus ein zusätzlicher Anreiz: "Ich will bestätigen, dass die Voraussetzungen für Männer und Frauen im Beruf und in der Schiedsrichterei gleich sind. Für mich wird keine Extrawurst gebraten." (Von Eric Dobias, dpa)

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