Schiedsrichterkritik : Babbels Angriff aus dem Nichts

Herthas Trainer Babbel überrascht mit seiner Kritik an den Schiedsrichtern und führt damit eine Berliner Tradition fort, die einst von Dieter Hoeneß begründet worden war.

von
Erregt verfolgte Herthas Trainer Markus Babbel das Spiel in Paderborn. Er machte für die Niederlage nur den Schiedsrichter verantwortlich.
Erregt verfolgte Herthas Trainer Markus Babbel das Spiel in Paderborn. Er machte für die Niederlage nur den Schiedsrichter...Foto: Photowende

Es war deutlich zu beobachten, wie viel Beherrschung es Markus Babbel kostete, ein letztes Mal die Etikette zu wahren. Die erste Saisonniederlage von Hertha BSC war gerade durch den Pfiff des Schiedsrichters aktenkundig geworden, da reichte Babbel, der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten, seinem Nebenmann die Hand. Es war Frederick Assmuth, der vierte Offizielle. Babbel sagte zum Abschied noch ein paar Worte, dann verschwand er. Am liebsten hätte er wohl richtig losgeledert.

Das tat Herthas Trainer erst später. Der Tenor: Für die 0:1-Niederlage in Paderborn war allein Christian Leicher verantwortlich. Der Schiedsrichter hatte den Paderbornern einen zweifelhaften Elfmeter zugesprochen, zudem verwies er Stürmer Adrian Ramos mit einer Roten Karte des Feldes. „Er hat von der ersten bis zur letzten Minute seine Linie durchgezogen“, sagte Babbel. „Gegen uns.“ Zu den Ungereimtheiten passte auch eine Aussage von Herthas Mittelfeldspieler Fanol Perdedaj. Auf seine Frage „Was pfeifst du für einen Mist?“ habe er von Leicher die Antwort erhalten: „Den Fehler mach’ ich wieder gut.“

Babbel begnügte sich nicht mit dem Einzelfall. Er machte aus der folgenschweren Entscheidung des Schiedsrichters gleich eine Grundsatzdebatte. „In den letzten Wochen sind wir immer wieder benachteiligt worden“, behauptete er. Und deshalb müsse er seine Mannschaft wohl darauf einstellen, „dass wir nicht gegen elf spielen, sondern dass noch ein zwölfter Mann dabei ist, der uns nicht wohlgesinnt ist“.

Schon Michael Preetz klagte einst über fortlaufende Benachteiligung

Mit seiner Schiedsrichterschelte hat Babbel eine Tradition fortgeführt, die einst von Dieter Hoeneß begründet worden war. Herthas früherer Manager hat auf unliebsame Entscheidungen immer sehr emotional reagiert, seine Kritik an den Unparteiischen diente aber wohl auch ganz nüchtern dem Zweck, sie nachhaltig einzuschüchtern. In der vergangenen Saison war es dann eher Verzweiflung, die Hoeneß’ Nachfolger dazu trieb, der Deutschen Fußball-Liga eine offizielle Beschwerdenote zuzustellen. Michael Preetz klagte über fortlaufende Benachteiligung – und handelte sich damit jede Menge Spott ein.

Die Außenwirkung ist auch im aktuellen Fall nicht die beste. Was soll man denn bitte davon halten, wenn der Tabellenführer die Schuld für seine erste Niederlage (im elften Spiel) vor allem bei anderen sucht? Aber Babbel interessierte das nicht im Geringsten. Seine Umgebung erlebte ihn nach dem Spiel in Paderborn „sehr angefressen“, von der Grundsatzrede des Trainers war sie genauso überrascht wie alle anderen auch. Um eine offizielle Linie des Vereins handelte es sich jedenfalls nicht, sonst hätte Peter Niemeyer wohl nicht kurz zuvor noch gesagt: „Wir sollten uns nicht auf die Schiedsrichter konzentrieren, sondern auf uns.“

Babbels Fundamentalkritik kam aus dem Nichts. Bisher hatte es von den Berlinern nicht die geringsten Klagen über die Schiedsrichter gegeben. Warum auch? Anders als in der vorigen Saison hatten sie auch noch nicht unter dramatischen Fehlentscheidungen zu leiden. Babbel erläuterte später im internen Kreis, dass er auf ein grundsätzliches Phänomen hinweisen wollte. Er hatte zuletzt das Gefühl, dass Herthas Gegnern von den Schiedsrichtern eine Art Bonus gewährt werde, nach dem Motto: Das ist die große Hertha, vor der müssen wir die Kleinen schützen.

Dabei konnten die Berliner nach der Niederlage am Sonntag noch froh sein, dass fast nur über den Schiedsrichter debattiert wurde. Andernfalls hätte es wohl eine hitzige Debatte um ihre dramatische Minderleistung gegeben. Immerhin waren Markus Babbel die Defizite nicht verborgen geblieben. Seine Lehre aus dem Spiel in Paderborn mit all seinen Begleiterscheinungen lautete, „dass wir hart arbeiten müssen, um erfolgreich zu sein“.

67 Kommentare

Neuester Kommentar