Sport : Schiffbruch mit Totaloffensive in Fürth zwingt zum Umdenken

Benedikt Voigt

Was sind das gegenwärtig für tolle Tage in Fürth: Bei der traditionellen Michaelis-Kerwa zertrümmerte sich der Fürther Bürgermeister den kleinen Finger, als er das erste Bierfass auf dem Kirchweih-Fest anzapfen wollte. Die ganze Stadt lacht über das Missgeschick ihres Oberhauptes, und seit Sonntag nachmittag ist die Stimmung in Fürth noch besser. Da stürmten die Offen-sivfreunde von Tennis Borussia ins Playmobilstadion und luden die SpVgg Greuther Fürth dazu ein, sich an die Spitze der Zweiten Bundesliga zu schiessen. An solchen Tagen lässt es sich gut feiern in Fürth. Bei TeBe hingegen setzt Katerstimmung ein.

Die erste Niederlage der Saison (0:2) zwingt die Berliner, über das taktische Auftreten in der Fremde zu sinnieren. In Ciric, Rösler, Kirjakow, Ouakili und Copado standen beim Anpfiff fünf gelernte Offensivkräfte auf dem Platz. Später kamen noch Brinkmann und Can, am Ende stürmte sogar Manndecker Walker. Numerisch beste Vorraussetzungen für einen Treffer - sollte man meinen. Doch die Tore fielen auf der anderen Seite durch eine Spezialität von Greuther Fürth: Konter. Tennis Borussias Angriffsdrang hatte es den Franken erst ermöglicht, ihre Stärke auszuspielen. Trainer Winfried Schäfer verteidigte seine Taktik: "Wir hätten heute auch mit elf Spielern auf der einen Seite und elf auf der anderen spielen können." Gott sei Dank, dürften die Fans der Gastgeber sagen, ist es nicht so gekommen.

Ein Vorwurf des Trainers ging an seine offensiven Mittelfeldkräfte. "Copado und Ouakili müssen mit auf Verteidigung umschalten", ärgerte sich Schäfer. Das zweite Tor hatte Ouakilis Gegenspieler Ingo Walther geschossen (35.). Bei Tor eins fehlte Libero Jan Suchoparek und von den Abwehrspielern fühlte sich niemand für den Torschützen Mirko Reichel verantwortlich (14.). "Wir haben zwei Tore gekriegt, die so einfach nicht passieren dürfen", ärgerte sich Ansgar Brinkmann. Wie sein Trainer vermisste auch der 30-Jährige die Zuspiele über die Außenposition: "Das ein oder andere Mal werde ich übersehen, das müssen wir in der kommenden Woche klären." Brinkmann war für Sergej Kirjakow gekommen, der mit einer Rippenprellung ausschied. "Nicht so tragisch, bis zum nächsten Spiel ist er wieder fit", sagte Manager Jan Schindelmeiser. Dann fehlt allerdings Bruno Akrapovic, der nach zweimaligem Foulspiel innerhalb von sieben Minuten die Gelb-Rote Karte sah. Von den Fürther Zuschauern, die ihn kräftig auspfiffen, verabschiedete sich der Bosnier mit dem doppelten Stinkefinger.

"Ich hoffe, dass wir jetzt aufwachen", sagte Brinkmann, "jeder weiß nun, dass wir mehr machen müssen." Schon beim 1:0 gegen Oberhausen hatte sich TeBe nicht als Aufstiegskandidat gezeigt. Doch die Strafe folgte erst in Fürth. "Wir müssen aus diesem Negativ-Erlebnis etwas Positives rausziehen", forderte der Trainer. Nach der Partie schloss sich TeBe eine Viertelstunde in der Kabine ein. "Es ging um nichts Tiefgründiges", sagte Schäfer. Weil Kozak, Suchoparek und Ciric sofort zu ihren Nationalmannschaften fuhren, habe er sich noch einmal mit der Mannschaft besprechen müssen. Vielleicht hätte er das vor dem Spiel noch ausführlicher tun müssen. Torwart Hilfiker hatte eine "spielerisch starke Fürther Mannschaft" erwartet. Das Gegenteil war der Fall: Die Fürther kämpften.

So wie ihr Bürgermeister. Dieser schlug beim Anzapfen - nachdem schon der zweite Schlag auf seinem kleinen Finger gelandet war - tapfer weitere 20 Mal auf den Zapfhahn. Als das erste Bier endlich floss, stieß der Pechvogel noch mit den anwesenden Honoratioren an - und fuhr dann ins Krankenhaus.

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