Sport : Schläger und Spione

Nach einem handfesten Eklat sucht Schalke den Verräter

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Mit Humor lässt sich manches ein wenig leichter ertragen, auch in Schalke. Sogar Trainer Frank Neubarth, sonst eher cool, versuchte den Ernst der seltsamen Lage mit Witz zu bewältigen. Mannschaftssitzungen? „Machen wir nicht mehr“, sagte er. „Wir treffen uns erst kurz vor dem Spiel in Mönchengladbach. Am besten, jeder fährt mit seinem Auto hin.“ Angesichts der jüngsten Ausschreitungen wäre eine Busfahrt für manche Fußballer des FC Schalke vermutlich nicht ohne Verletzungsrisiko.

Um doch noch an der Tradition der gemeinsamen Anreise festzuhalten, schlug Manager Rudi Assauer vor, die Spieler „je nach Schlagkraft in unterschiedlichen Zonen des Busses“ unterzubringen. Wie jetzt bekannt wurde, waren vor einer Woche zwei Schalker aneinander geraten. In einem vornehmen italienischen Restaurant, wo die Kicker sich – ohne Neubarth – getroffen hatten, um das offenbar gestörte Betriebsklima zu retten. Wie Zeugen berichten, beschimpfte Torhüter Frank Rost Mitspieler Jörg Böhme: „Du mit deinem Scheiß-Egoismus auf dem Platz!“ Anschließend sollen Stühle und Gläser geflogen sein. Die Musikkapelle habe ihr Gerät in Sicherheit gebracht und sei in Deckung gegangen, bis Assauer und Sportdirektor Müller den Streit geschlichtet hätten.

Am Tag danach entschuldigte sich Rost bei Böhme, und alle glaubten, in Frieden den Rest des Wochenendes genießen zu können. „Alle dachten, die Veranstaltung sei zu Ende“, verriet ein Schalker Spieler einem „Bild“-Reporter. „Das Ding hat uns völlig umgehauen, auch den Trainer.“ Doch der Hauptakt folgte erst noch. Rost ging vor versammelter Mannschaft auf Trainer Neubarth los. „Seitdem du hier bist, macht mir Fußball keinen Spaß mehr. Du sprichst nicht mit mir, rufst mich nicht und bindest mich nicht ein“, soll er geschrieen haben. Neubarth hat den „überraschenden und grundlosen“ Vorfall bestätigt, will ihn aber nicht kommentieren. „Wir haben die Sache intern besprochen und aufgearbeitet. Aber was in der Kabine besprochen wird, ist tabu.“ Jede öffentliche Diskussion über Einzelheiten würde Neubarths Autorität vermutlich noch mehr untergraben.

Assauer gab bekannt, dass Rosts Attacke mit einer Geldstrafe geahndet werde. Damit sei „die Sache erledigt“, zumal Rost „eingesehen hat, dass es falsch war“. Doch neben den offen ausgetragenen Konflikten beobachten Trainer und Manager mit Sorge, dass es Spieler gibt, die Interna wie die jetzigen Vorfälle ausplaudern. Assauer glaubt zu wissen, wer der Informant ist. Mit ihm werde noch zu reden sein. Den Namen wollte der Manager nicht nennen. Sein Täterprofil lenkt den Verdacht auf Andreas Möller. „Einige sind unzufrieden, weil sie sehen, dass ihre Karriere zu Ende geht“, sagte Assauer. „Es sind Frust und Enttäuschung, die da rauskommen.“

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