Sport : Schlafen auf dem Platz

Energie Cottbus kommt nach dem 0:3 in Gladbach in arge Not

Erik Eggers

Mönchengladbach. Nicht selten verengt sich ein Fußballspiel auf die letzten Minuten, wenn, da die Entscheidung näher rückt, Spieler, Trainer und Zuschauer immer aufgeregter werden. Dann kocht das Stadien, dann brodelt es, und die Parteien versuchen mit allen Mitteln, die eigene Mannschaft anzutreiben und die Schiedsrichter zu beeinflussen. Und zum Schluss kulminiert das Geschehen, etwa in einer Roten Karte oder in einem entscheidenden Tor, und alle atmen begeistert von der Atmosphäre.

Zu dieser Sorte Fußballspiel gehörte die Begegnung zwischen Borussia Mönchengladbach und Energie Cottbus freilich nicht. Dort verdichtete sich alles in den ersten zwanzig Minuten. Nach gut sechs Minuten stand es bereits 2:0, eine Viertelstunde später führte der Gastgeber mit drei Toren, weil die Spieler des Gastes laut ihrem Präsidenten Krein „auf den Platz kommen und noch schlafen“. Am Ende stand dann ein verdientes 3:0 für die Gladbacher, das ihnen den Sprung auf Tabellenplatz 14 bescherte.

Für Cottbus hingegen wird die Situation immer bedrohlicher. Neun Punkte liegen sie nun schon hinter den Nichtabstiegsplätzen. Dass Gladbach die Entscheidung so früh erzwingen konnte, lag jedoch keineswegs an überragender Spielkunst, sondern am katastrophalen Abwehrverhalten des Tabellenletzten. Daniel Felgenhauer konnte schon in der zweiten Minute seinen ersten Bundesligatreffer erzielen, weil Aidoo, Ulich und Demo vorher ohne jede Gegenwehr durch eine völlig desorganisierte Abwehr spazieren und kombinieren durften. Dem 2:0 durch Ulich nur vier Minuten später ging ein Ballverlust Christian Beecks am Mittelkreis voraus. „Die laufen da hinten hin und her, als wären sie überhaupt nicht vorhanden“, sagte Krein. „So frei, wie die Gladbacher vor dem Tor standen, hätte ich sogar noch getroffen, in meinem Alter.“ Das 3:0 durch van Hout krönte das Ganze zu einem Triptychon Cottbuser Unzulänglichkeiten: Diesmal funktionierte die Abseitsfalle nicht.

Es war alles andere als ein perfekter Abend für Cottbus. Auch andere Miniaturen passten ins Bild: dass Juskowiak bei der einzigen ernst zu nehmenden Chance des Gastes in den Boden trat; dass der völlig überforderte Ronny Thielemann nach einer Notbremse an van Hout mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz gestellt wurde. Und nicht zu vergessen die sarkastischen Gesänge der etwa 60 mitgereisten Energie-Fans, die kurz vor Schluss lautstark von einem „Auswärtssieg“ träumten. „Wir alle sind maßlos enttäuscht“, sagte Trainer Eduard Geyer, der vor allem das mangelhafte Aufbauspiel rügte. „Unser Kader gibt im Moment nicht mehr her.“ Dem Energie-Präsidenten Krein erschien das Spiel derart seelenlos, dass „die Hoffnung, nicht mehr groß ist“.

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