Sport : Schlag auf Schlag

Nationalmannschaftsmanager Bierhoff streitet mit Bayerns Uli Hoeneß

Michael Rosentritt[Hamburg]

Der FC Bayern macht momentan etwa einen Meter siebzig im deutschen Fußball aus. Philipp Lahm ist der einzige Spieler des Rekordmeisters, der zum Aufgebot der Nationalmannschaft zählt. Daraus aber abzuleiten, der Einfluss des FC Bayern auf das Flaggschiff des deutschen Fußballs wäre so gering wie in den vergangenen 35 Jahren nicht, wäre trügerisch. Tatsächlich verhält es sich genau umgekehrt. Mittlerweile hat die Krise des FC Bayern vollends die Nationalmannschaft erfasst. Es rumpelt wieder kräftig zwischen beiden Institutionen.

Auslöser ist die rauschhafte Einkaufslust der Münchner, die ihre sportlich so erniedrigende Saison vergessen machen soll. Die breit angelegte und mit vielen Festgeldmillionen unterfütterte Spieler-Beschaffungsstrategie hatte bekanntlich auch einen gewissen Luca Toni an die Isar gespült, einen Spieler, der für den Geschmack Oliver Bierhoffs „nicht zu den Top Ten“ des Weltfußballs gehört. Hoeneß’ Managerkollege von der Nationalmannschaft sieht den italienischen Stürmer nicht in einer Reihe mit Kaka, Ronaldinho, Eto’o oder Henry. Obwohl Hoeneß diese Bemerkung locker hätte überhören können, brachte sie ihn in Rage, was selten gut ist und noch viel seltener vor der Nationalmannschaft Halt macht. „Der Herr Bierhoff sollte sich um seinen Mist kümmern“, polterte Hoeneß im „Kicker“. Bierhoff solle „das dumme Gequatsche sein lassen“, er solle sich um die Nationalmannschaft kümmern, nicht um die Vereine. „Da hat er genug zu tun.“

Einmal in Wallung holte Hoeneß zum Rundumschlag aus. Der Kick gegen das Team des Zwergenstaates San Marino sei ein „Juxspiel“ gewesen, das den Spielern eine Woche Urlaub „geklaut“ habe.

Der wohlerzogene Oliver Bierhoff, der in Bezug auf Hoeneß als durchaus clincherprobt gelten darf, reagierte gestern ungewöhnlich heftig. Ihn wundere, dass „da einer die Fakten beiseiteschiebt“ und „persönlich beleidigend“ werde. Das Spiel gegen San Marino sei nicht seine Erfindung gewesen, sondern ein EM-Qualifikationsspiel zu einem Zeitpunkt, den der Rahmenterminplan der Uefa vorgibt. Bierhoff sagte: „Ich hoffe, dass Herr Hoeneß sich daran erinnert, dass wir den Vereinen entgegengekommen sind und im Testspiel gegen Dänemark viele Spieler geschont haben.“

Bierhoff mühte sich gestern, den Zwist zu versachlichen. Das Verhältnis von ihm zu Hoeneß sei nach wie vor gut. Aber zwischen den Vereinen und der Nationalmannschaft gebe es ganz natürliche Interessenkonflikte. „Wenn 16 von unseren 23 WM-Spieler verletzt waren, ist das auch ein Warnsignal für uns“, sagte Bierhoff. Das könne aber nicht nur an der Belastung durch die Nationalelf liegen. Tatsächlich haben einige Spieler von Weltmeister Italien, die mit dem AC Mailand auch noch das Champions-League-Finale gewannen, eine weit höhere Belastung und waren von Verletzungen weitgehend verschont geblieben. Im Ausland hätten Topspieler eine längere Vorbereitungszeit im Sommer als in Deutschland, sagte Bierhoff. „Wenn man mehr in den Aufbau der Spieler investiert, sind sie weniger verletzungsanfällig.“ So wollte der Nationalmannschaftsmanager seine Kritik verstanden wissen, die er am Hongkong-Trip des FC Bayern geübt hatte. Anfang Juli fliegen die Münchner aus PR-Gründen zweimal um die Welt, eine reine Marketingaktion. Er erinnere sich, sagte Bierhoff, noch an Zeiten, als die Bayern-Bosse die Mannschaft von Real Madrid als Zirkustruppe kritisiert hätten, die durch die Welt tingelt, um möglichst viel Geld einzusammeln.

„Ich freue mich doch, dass der FC Bayern aufrüstet, dass Uli Hoeneß angreift“, sagte Bierhoff. Das zeige doch, „dass er wieder heiß ist“. So heiß sogar, dass Hoeneß am liebsten sofort auch Miroslav Klose verpflichten würde. Das Buhlen der Bayern hat den sensiblen Bremer Stürmer völlig durcheinander gebracht. Anstatt die Verteidiger des Gegners in Verlegenheit zu bringen, ist der künftige Bayern-Spieler zum Problembären für die Nationalmannschaft geworden. Mehr Einfluss geht nun wirklich nicht.

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