Sport : Schlag ins Gesicht

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Michael Rosentritt über Muskelspiele im deutschen Profiboxen

Boxen kann so einfach sein. „Jegner am Boden, jutet Jefühl!“ Das hat mal Graciano Rocchigiani gesagt. Der hat gerade am Ballermann seine eigene Kneipe aufgemacht und boxt nicht mehr. Vielleicht ist Boxen deswegen heute komplizierter, weil sich niemand mehr so schön einfach ausdrücken kann.

Gegenwärtig ist ein handfester Krach ausgebrochen im Lager des deutschen Berufsboxens, das sich die beiden großen Manager und Promoter Wilfried Sauerland (Maske, Schulz, Ottke, Beyer) und Klaus-Peter Kohl (Michalczewski, die Klitschkos) aufgeteilt haben. Beide haben in den vergangenen zehn Jahren viele Millionen Euro investiert und noch mehr eingestrichen. Und nebenbei den Verband aus der Versenkung geholt und ihm Ansehen verliehen. Mit herzeigbaren Boxern wurde das Preisboxen aus der Umklammerung der Halb- und Unterwelt befreit, wieder für alle Generationen und gesellschaftlichen Schichten salonfähig. Die Klitschkos machen heute da weiter, wo Maske angefangen hat. Das Fundament und die Wände stehen, nur ist das Dach, der Bund Deutscher Berufsboxer, irgendwie nicht mitgewachsen.

Offizieller Auslöser sind rassistische Äußerungen eines früheren Spitzenfunktionärs des BDB. Die Äußerungen an sich sind schon schlimm und gefährlich für sich, das Stillhalten des Vorstandes des Verbandes ist es auch. Der Verband partizipiert finanziell an den Muskelspielen, die sich Sauerland und Kohl seit Jahren um die besseren Boxer, um Titel und Einschaltquoten liefern. Und das, obwohl der BDB jegliche Professionalität vermissen lässt. Kohl und Sauerland verfolgen eigene Interessen und kämpfen mit harten Bandagen. Sie haben den Kampf angenommen und treffen sich auf Augenhöhe. Der BDB aber taumelt zwischen Abhängigkeit und Handlungsunfähigkeit in den Knockout. Wie hat Brecht einmal gesagt: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

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