Sport : „Schlag mit dem Brett“

Basketball-Bundestrainer Bauermann über Albas historische Niederlage – und den Massakertag

Dirk Bauermann, 53, ist seit 2003 Bundestrainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Seit 2010 trainiert er zudem die Basketballer des FC Bayern in der Zweiten Liga – und hat dort große Ziele. Foto: AFP
Dirk Bauermann, 53, ist seit 2003 Bundestrainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Seit 2010 trainiert er zudem die...Foto: AFP

Herr Bauermann, am Samstag beim 103:52 haben Bambergs Basketballer Alba Berlin eine historische Niederlage zugefügt. So hoch hat Alba noch nie zuvor in der Bundesliga verloren. Ist die Deutsche Meisterschaft damit entschieden?

Ach was. Es gibt einfach so Tage, an denen bei einem Team gar nichts geht und beim anderen alles. Die beiden Mannschaften könnten morgen in Berlin spielen und ich kann mir vorstellen, dass Alba dieses Spiel gewinnt. Vielleicht nicht gerade mit 51 Punkten.

Hat Sie das hohe Ergebnis überrascht?

Für mich war Bamberg schon Favorit in diesem Spiel. Bamberg hat jetzt in der Bundesliga eine Serie mit 14 Spielen ohne Niederlage hingelegt, diese Serie erinnert an die dominanten Zeiten von Leverkusen und Alba Berlin in den neunziger Jahren. Trotz des unglücklichen Ausscheidens in der Europaliga ist das eine ganz starke Mannschaft. Es liegen Welten zwischen dem, was Bamberg jetzt spielt, und was Bamberg vor einem Jahr gespielt hat, als der Verein in der Krise war. Da zeigt sich, wie wichtig es ist, auf Kontinuität zu setzen.

Auf was muss Alba, bei denen am Sonntag wegen der Eurocup-Reise nach Samara niemand zu erreichen war, jetzt setzen?

Das ist nicht mein Baustelle, ich bin jetzt Trainer beim FC Bayern München. Aber eine so starke Organisation wie Alba Berlin wirft so eine Niederlage nicht um. Generell sollte man so etwas nicht überbewerten, es kommt jetzt drauf an, welche Wirkung diese Ergebnis entfaltet. Auf der einen Seite kann so ein Schlag mit dem Brett vor den Kopf neue Kräfte freisetzen und motivieren. Auf der anderen Seite könnte sich beim Sieger auch ein Gefühl von Selbstzufriedenheit einstellen. Die Meisterschaft dauert lange. Aber natürlich ist Bamberg jetzt Favorit.

Wann spielen Sie mit Ihrem neuen Team FC Bayern, das gegenwärtig in der Zweiten Liga antritt, gegen Alba und Bamberg?

Im nächsten Jahr oder gar nicht. Wir haben nicht den Anspruch, nach dem Aufstieg um Platz acht bis zwölf zu spielen. Wir haben die klare Perspektive, als FC Bayern im Konzert der Großen mitzuspielen , also ganz oben. Aber vorher müssen wir aufsteigen und dann muss auch das Thema meiner Doppelfunktion in Verein und Nationalmannschaft geklärt werden. Dann kann der FC Bayern München die zweite Stufe der Rakete zünden.

Wo haben Sie das Bundesligaspiel zwischen Bamberg und Berlin gesehen?

Wir hatten gestern Training, ich habe es mir aber aufgenommen und in Ausschnitten gesehen.

Und wie fiel Ihre erste Reaktion aus?

Mich erinnerte das an eine Serie in der NBA: In den achtziger Jahren zwischen den Boston Celtics und den Los Angeles Lakers. Da sind die Lakers in der Finalserie in Boston mit über 40 Punkten untergegangen. Das war auch historisch, das Spiel ist als Massakertag in die Geschichte der Lakers eingegangen. Am Ende sind sie trotzdem Meister geworden.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt

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