Sport : Schlagende Kombination

Nach seinem Stockhieb trifft Ronny Ackermann heute erstmals wieder auf Hannu Manninen

Benedikt Voigt

Berlin - Eine Aussprache ist eigentlich einfach: Man trifft sich und spricht. In der modernen Kommunikationsgesellschaft scheint es jedoch komplizierter zu sein, wie ein aktuelles Beispiel aus der Nordischen Kombination zeigt. Dort entschuldigte sich der deutsche Kombinierer Ronny Ackermann auf seiner Homepage: „Mir sind die Gäule durchgegangen.“ Dann antwortete der Finne Hannu Manninen auf seiner Internetseite: „Ich sehe keinen Anlass, eine Strafe gegen Ronny zu verlangen.“ Und schließlich versöhnten sich beide gestern in Ramsau – vor zahlreichen Fernsehkameras.

Es ist also öffentlich dokumentiert, dass Ronny Ackermann sich entschuldigt hat für den Stockschlag, mit dem er Manninen vor drei Wochen in Lillehammer eine Schramme und einen Bluterguss am Oberarm zugefügt hat. „Das war eine Überreaktion im Affekt“, sagt Bundestrainer Hermann Weinbuch. Ackermann hatte sich zuvor bei einem Überholmanöver von dem Finnen unfair behindert gefühlt. Heute beim Weltcup in Ramsau (9.45 Uhr zehn Kilometer Langlauf, 16 Uhr Springen, live in der ARD) messen sich die beiden erstmals wieder miteinander. „Sie werden sich auf der Strecke treffen“, glaubt Weinbuch, „bei den schlechten Bedingungen hier wird es für Manninen schwer wegzulaufen.“ Der jüngste Vorfall aber werde sich nicht wiederholen. „Beide werden jetzt vorsichtiger sein“, sagt der Bundestrainer.

Doppel-Weltmeister Ackermann ist sogar glimpflich davongekommen, der Internationale Skiverband (Fis) erteilte ihm lediglich einen schriftlichen Verweis, der keine Folgen nach sich zieht. „Für mich reicht es aus, dass Ronny sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen musste“, schreibt Manninen. Im Training lief es bei Ackermann noch nicht so gut, Weinbuch fragt sich, ob das an seinen kleinen Fehlern beim Springen liegt – oder an jenem Stockschlag. „Das hat ihn schon belastet“, sagt Weinbuch, „er ist ein Typ, der die Gemeinschaft und ein reines Gewissen braucht.“

Der Vorfall von Lillehammer hat den deutschen Bundestrainer darin bestärkt, dass seine Sportart ein Regelwerk für das Überholen in der Loipe braucht. Früher, als die Kombinierer in Abständen von 30 Sekunden in die Loipe starteten, sei das nicht nötig gewesen. Nur selten setzte ein Läufer zum Überholen an. Beim neu eingeführten Massenstart häufen sich die strittigen Fälle. „Manninen hat auf der Stecke auch schon einmal mit seinem Stock gestochen“, sagt Weinbuch. „Ich werde jetzt sensibler sein, wenn meinen Leuten auf der Strecke etwas passiert.“

Zumal Manninen sich in der Loipe weiter wehren will: „Ich denke, der führende Athlet kann jederzeit die Spur wechseln, die er benutzen will.“ Weinbuch protestiert. „Wenn der Führende zickzack laufen darf, kommt nie einer vorbei“, sagt er. Im Mai will die Fis nun einen Strafenkatalog ausarbeiten. Dieser dürfte aber am Verhältnis zwischen den beiden Rivalen auch nichts mehr ändern. Weinbuch sagt: „Dicke Freunde sind sie nicht.“

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