Sport : Schlagende Verbindung

Die HSV-Profis greifen nach dem 0:1 gegen Wolfsburg zu rabiaten Mitteln

Karsten Doneck

Hamburg - Am Ende probierten sie es noch mal im Stile von Uwe Seeler. Wie das Stürmer-Idol des Hamburger SV in jüngeren Tagen setzte da in vorletzter Minute Rafael van der Vaart im gegnerischen Strafraum zu einem Fallrückzieher an. Aber Simon Jentzsch, der Schlussmann des VfL Wolfsburg, streckte sich, riss die Fäuste hoch und lenkte den Ball über die Latte. Wieder nichts. Und wenn schon die Uwe-Seeler-Methode beim HSV nicht mehr zum Erfolg führt, geht gar nichts. Mit 0:1 (0:1) kassierten die Hamburger vor 55 800 Zuschauern in der AOL-Arena im 20. Pflichtspiel der Saison ihre erste Niederlage.

Für Stefan Beinlich, den Mittelfeld-Routinier, war das (vorläufige) Ende der Hamburger Fußball-Herrlichkeit keine große Überraschung. „Irgendwann mussten wir ja mal eins auf die Nase kriegen“, sagte er. Und: „Wir sind nicht ganz so weit, wie manche uns schon sehen.“

Auch den sportlich fairen Umgang mit Niederlagen müssen die Hamburger erst wieder lernen. Da lösten die HSV-Profis unmittelbar nach dem Schlusspfiff in der Nähe des Mittelkreises ein wüstes Handgemenge aus. In all dem Geschubse und Gezerre mit den Wolfsburger Spielern, die sich doch einfach nur ein bisschen freuen wollten, legte besonders Rafael van der Vaart beklagenswerten Eifer an den Tag. Erst mischte er sich in kleinere Streitigkeiten mit dem Wolfsburger Bojan Neziri ein. Nach einer flinken Drehung stieß der Holländer dann VfL-Trainer Holger Fach, der nach eigener Aussage nur schlichtend eingreifen wollte, mit den Händen vor die Brust. Dass auch Hamburgs Guy Demel unter dem Schutz der Rudelbildung einmal heftig die Faust ausfuhr, wiesen die Fernsehbilder ebenso deutlich nach wie ein paar Handgreiflichkeiten, bei denen Daniel van Buyten der Hauptbeteiligte war.

Schiedsrichter Wolfgang Stark verlängerte aufgrund der Kampfhandlungen seinen Arbeitstag. Drei Minuten nach dem Abpfiff schritt er noch einmal zur Tat: Dem Wolfsburger Maik Franz sowie van der Vaart zeigte er die Rote Karte. Das DFB-Sportgericht wird sich nun der Fälle annehmen, beide Spieler werden um Sperren nicht herumkommen. Auch Demel und van Buyten drohen aufgrund der Fernsehbilder Bestrafungen.

Zumindest Maik Franz fehlte nachher die rechte Einsicht für das Strafmaß des Schiedsrichters: „Wenn man dafür Rote Karten gibt, dann hätten doch auch 15 andere Spieler vom Platz gestellt werden müssen“, monierte er.

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