Sport : Schlager statt Fanmeile

Claus Vetter

Das Übergangsjahr ist vorbei. Übergangsjahr? Nein, es war ein unglaubliches Sportjahr 2009. Gut, dass Hoffenheim nach der Null-Punkte- Rückrunde noch im Bundesliga-Abstiegskampf landete, war zu erwarten. Naturgemäß geht Aufsteigern irgendwann die Luft aus. Und für Uli Hoeneß war der Titel der erfolgreiche Abschluss seiner Karriere als Claqueur auf Bayerns Auswechselbank. Das Amt bleibt ja in der Familie, bei Bruder Dieter. Im Sommer schwankte der entthronte Hertha-Manager noch zwischen Brasilien, seinem Ausflugsland, und Bayern. Er blieb in Deutschland, brachte den Münchnern noch drei brasilianische Profis mit, von denen zwei immer noch in München sind, wenn auch bei 1860. Dass Dieter Hoeneß noch Anlaufzeit braucht, ist ja auch ganz normal. Zumal der Trainerwechsel von Jürgen Klinsmann zu Peter Neururer nicht geräuschlos vor sich ging. Nichts mehr mit Feng- Shui, nun werden die Bayern-Profis vom neuen Coach rustikal als „Vollfriseure“ angepflaumt. Egal, am Ende werden sie ja sowieso Meister.

Nein, nicht die Bayern, sondern die Leichtathleten brachten die Überraschungen des Jahres. Oliver Pocher musste als vereinsamter Moderator auf der Fanmeile erfahren, dass er doch nicht so lustig ist, wie er glaubt. Die Hammerwurf- und Dreisprungfans feierten anderswo, in der Arena am Ostbahnhof: Die Verlegung der WM vom Olympiastadion war eine prima Idee, durch die Zusammenlegung des Ereignisses mit der großen Schlagernacht war die WM komplett ausverkauft.

Was sonst noch in der Welt so los war? Das Armstrong-Comeback bei der Tour de France verlief wie erwartet: Rückkehrer Jan Ullrich wurde hinter dem Stammtoursieger Zweiter. Eine Sensation hatte es zuvor bei der Handball-WM gegeben: Die USA, in der Qualifikation noch an Grönland gescheitert, nutzten ihre Wildcard und setzten sich im Finale gegen Deutschland durch. Die Finanzkrise in der Formel 1 wurde dagegen zur Dauerfarce. Der Vorschlag, ganz auf Motoren zu verzichten, konnte sich nach ersten Tests auf abschüssigen Strecken noch nicht durchsetzen. Es geht also weiter, wenn auch mit Zweitaktmotoren. Sebastian Vettel wird nicht der letzte Weltmeister gewesen sein.

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