Sport : Schlagfertig

Nach dem Sieg über Randy Griffin muss Felix Sturm gegen den Deutschen Sebastian Sylvester boxen

Susanne Rohlfing[Halle]

So richtig wie ein Weltmeister sah Felix Sturm nicht aus – nach dem 30. Sieg seiner Karriere. Der Blick war müde, das Gesicht zerschrammt. Soeben hatte Sturm seinen zweiten Kampf gegen den Amerikaner Randy Griffin zu Ende gebracht, und zum zweiten Mal darf er seinen Weltmeistertitel im Mittelgewicht nach dem Duell behalten. Diesmal ohne das Aber eines Unentschiedens. „Dieser Kampf war mir ganz wichtig, jetzt bin ich glücklich“, sagte Sturm im westfälischen Halle. Die Worte wollten nicht so recht passen zu der hängenden Erscheinung des Boxers, der Kampf in der Nacht zu Sonntag hatte Sturm sehr viel Kraft gekostet.

Der 29 Jahre alte Leverkusener hatte von Beginn an Druck gemacht und mehr geschlagen als im ersten Duell, seine Führhand malträtierte Griffin, seine vielseitigen Kombinationen brachten den Amerikaner aus dem Konzept. Die Kampfrichter werteten mit 116:113, 116:112 und 118:110 für Sturm. Ein klarer Sieg. Eine solide Vorstellung. In Runde elf, als Sturm noch einmal seine letzte Kraft in einige beeindruckende Schlagserien legte, kam eine gute Stimmung unter den 5500 Zuschauern im Gerry-Weber-Stadion auf.

Und doch sind da diese Schatten, die Sturm nicht los wird, die ihn Sätze sagen lassen wie diesen: „Kelly Pavlik und Arthur Abraham sind im Moment der Maßstab.“ Seine beiden Mit-Weltmeister sind ungeschlagen. WBC- und WBO-Weltmeister Pavlik (USA) feierte 30 seiner 34 Siege vorzeitig, Abraham gelangen in 27 erfolgreichen Kämpfen 22 Knock-outs.

Aber Sturm hat ebenfalls einiges vorzuweisen: Zweimal hat er seinen Titel bereits verloren, zweimal hat er ihn sich zurückgeholt. Die Scharte des Unentschiedens gegen Griffin hat er nun ausgewetzt. Sturm wirkt so hilflos, wie jemand sein muss, der alles richtig macht und merkt, dass das nicht reicht. Er wünscht sich ein Dreier-Turnier mit Pavlik und Abraham. „Wer die anderen Champions schlägt, ist der wahre Weltmeister“, sagt er. Ein sportlich logischer Traum, der seinem Manager Klaus-Peter Kohl nicht mehr als ein amüsiertes Lächeln entlockt. Und den lapidaren Satz: „So etwas zu organisieren, wäre eine große Herausforderung.“ Wäre, nicht ist. Kohl hat offenbar lieber einen Weltmeister im Schatten von zwei anderen als gar keinen.

Als nächstes wartet der Europameister Sebastian Sylvester aus Greifswald auf Sturm. Der 27-Jährige hatte gegen Javier Castillejo das Recht des Pflichtherausforderers erobert. Sylvester saß in Halle im Publikum. Er zollte seinem kommenden Gegner Respekt: „Er hat gekämpft wie ein Weltmeister, in den letzten Runden dachte ich, er haut Griffin noch um.“ Überhaupt gab sich der Mann aus dem Boxteam Wiking überraschend zahm. Sturm hatte vorher einmal über Sylvester gesagt: „Der Typ ist total uninteressant, er ist eine Pflaume.“ Sylvester konterte freundlich: „Aber ich bin eine junge Pflaume.“

Via Anzeigenschaltung im Fachmagazin „Boxsport“ läuft der Schlagabtausch derweil auf skurrile Art. Dabei wirft Universum dem Boxteam Wiking mangelnde Rechtschreibkenntnisse vor, während Wiking konsequent auf die bosnische Herkunft Sturms verweist und nur seinen Geburtsnamen Adnan Catic verwendet. Innerhalb von 120 Tagen muss es laut Regularien zum tatsächlichen Schlagabtausch zwischen Sturm und Sylvester kommen.

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