Sport : Schlanke Spiele

NAME

Benedikt Voigt über die schwierige Abmagerungskur beim IOC

Jetzt mal ehrlich, wer kennt alle fünf Disziplinen des Modernen Fünfkampfs? Auf Schießen, Schwimmen, Fechten oder Reiten mag man vielleicht noch kommen, wenn man gelegentlich in vielfarbigen Olympiabüchern blättert. Aber Laufen? Was soll modern sein am Laufen? Das machen die Menschen, seit sie den aufrechten Gang erlernt haben. Oder anders gefragt: Nennen Sie einen bekannten Modernen Fünfkämpfer. Sie kennen keinen? Wir auch nicht. Jetzt nennen Sie einen bekannten Golfspieler. Na also.

Ähnlich muss es der Spezialkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ergangen sein, die eine Streichliste der Sportarten für die Olympischen Sommerspiele 2008 erstellte. Der Moderne Fünfkampf soll raus aus dem olympischen Programm, schlug sie vor, Softball und Baseball auch. Dafür sollen Rugby und Golf aufgenommen werden. Anderen Sportarten droht eine Streichung oder eine Reduzierung von Disziplinen. Das alles soll die Olympischen Spiele 2008 in Peking schlanker machen. Die Spiele 2004 in Athen werden die letzten sein, die die Zahlen von Sydney fortschreiben: 28 Sportarten, 301 Wettbewerbe, 10 500 Sportler und nahezu 120 000 Akkreditierungen aller Art. Danach, darüber sind sich die meisten IOC-Mitglieder einig, soll es billiger und kleiner werden.

Doch nun beginnen die Probleme. Mit dem Sparen sind alle einverstanden, nur selber will keiner das Leid tragen. Die von der Streichliste betroffenen Verbände meldeten bereits ihre Einsprüche. Ulrich Feldhoff, der Präsident des Kanu-Weltverbandes ICF, dessen Kanuslalom bedroht ist, sagt: „Ich bin überzeugt, dass wir mit unseren Argumenten gegensteuern können.“ Auch der Pressesprecher der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sieht das Ende des olympischen Militaryreitens noch nicht gekommen: „Bis November bleibt noch genügend Zeit, Lobbyarbeit zu leisten.“ Auf dem Reformkongress im November können die IOC-Mitglieder mit einer einfachen Mehrheit eine Sportart aus dem Programm werfen. Über die Streichung oder Reduzierung von Disziplinen entscheidet das Exekutivkomitee.

Rund drei Monate bleiben dem Modernen Fünfkampf noch, seine fünf Disziplinen oder Sportler bekannter zu machen. Da dies seit 1912, als der Moderne Fünfkampf zum ersten Mal bei Olympischen Spielen dabei war, nicht gelungen ist, bedienten sich die Funktionäre einer anderen Taktik. Vor den Olympischen Spielen in Sydney reformierten sie ihr Programm, führten alle fünf Wettbewerbe an einem Tag durch. Doch weil das offensichtlich noch nicht genügte, nahmen sie Prominente in ihren Verband auf. So kommt es, dass der ehemalige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch, Prinz Albert von Monaco und König Konstantin von Griechenland den Modernen Fünfkampf vertreten. Das könnte reichen, für Peking.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben