Sport : Schlanker Anfang

Um viele Kilos leichter ist Schwimmer Warnecke zurück in der Weltspitze

Frank Bachner

Berlin - Morgen taucht Horst Melzer mit Krawatte und Jackett in der Schwimmhalle auf. Das hat er Mark Warnecke versprochen. „Hör mal“, hatte der Trainer Melzer seinem Sportler erklärt, „wenn du über 100 m Brust ein tolles Rennen hinlegst, gratuliere ich dir am Mittwoch nach den 50 m Brust im Anzug.“ Gestern hat Warnecke ein tolles Rennen hingelegt. Keiner war bei den deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin schneller über 100 m Brust als der Arzt von der SG Essen, und keinen hat das mehr überrascht als Warnecke selber. Und dann noch die Zeit: 1:01,71 Minuten. „Damit habe ich nicht gerechnet. ich habe mich auf die 50 m konzentriert“, sagt er. Die wird er gewinnen, davon geht er aus. Davon geht auch Melzer aus.

Warnecke ist zurück, und das ist eine nette Geschichte. Er war schon weg, ein frustrierter Mann mit unspektakulärem Abgang. Er hatte sich nicht für die Olympischen Spiele 2004 in Athen qualifiziert, er war an seinem damals letzten Ziel gescheitert. Übertrainiert, lautete die Analyse von Melzer. Zu zweit waren sie sauer. Der Trainer wegen seines fehlerhaften Programms, der Athlet wegen der miesen Resultate. Das war der Nährboden für das Comeback. Warnecke war 114 Kilogramm schwer, er fühlte sich zu dick, er sah sich im Spiegel und erschrak. „Ich wollte nun wenigstens eine gute Figur haben“, sagt er. Also begann er mit einer Diät. Nebenher trainierte er auch noch ab. Und „plötzlich habe ich bemerkt, dass ich immer schneller werde“.

Damals, sagt Melzer, „hat es bei Mark klick gemacht“. Der Coach bemerkte es, und sah seine Chance. Hier gab es für ihn noch mal die Chance, seine Fehler wettzumachen. Diesmal mit einem besseren Programm. „Du kannst nicht mit einem Misserfolg abtreten, du musst noch ein sportliches Highlight liefern. Qualifiziere dich für die Weltmeisterschaft“, sagte er. Warnecke sagte „Ja“. Jetzt wollte er auch noch etwas beweisen.

Seither hat der neunmalige Kurzbahn-Europameister 14 Kilogramm abgenommen, seither hat er sich, 97 Kilogramm schwer, auf Platz zwei der Weltrangliste über 50 Meter Brust geschoben. Und seither ist er wild darauf, bei der WM über 50 m Brust zu schwimmen, seine Hauptstrecke. „Jetzt trainiere ich mit den richtigen Pausen“, sagt Warnecke. Ein Lebensmittelchemiker mixt ihm ein Pulver, das Mahlzeiten ersetzt.

In Berlin, bei den Meisterschaften, staunen sie alle. So durchtrainiert war der Unfallchirurg seit Jahren nicht mehr. „97 Kilogramm hat er zum letzten Mal 1996 gewogen, bei den Olympischen Spielen“, sagt Melzer. Da gewann Warnecke Bronze über 100 m Brust. Und manchmal übertreibt der Mann von der SG Essen sogar. In Florida, im Trainingslager, fiel er einmal drei Tage in ein Loch. Die Ursache war ihm schnell klar: „Ich hatte zu sehr Diät gemacht.“

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