Sport : Schlauer als der Gegner

Wie Spandau in der Champions League weiterkommen will

Hartmut Moheit

Berlin. Es ist angerichtet. Doch bevor die Spieler der Wasserfreunde Spandau 04 zu Brötchen, Kuchen oder Bier greifen, das ihnen Torhüter Alexander Tschigir an seinem 34. Geburtstag mitgebracht hat, toben sie sich im Wasser der Schöneberger Schwimmhalle aus. Einen Tag vor dem Flug nach Slowenien, wo bis zum Sonntag eine der Zwischenrunden der Champions League stattfindet, hat Trainer Peter Röhle für seine Wasserballer die Order ausgegeben: „Werft Tore, habt Spaß und verletzt euch nicht!"

Trainingspartner ist an diesem Tag auch wieder das Team von Jadran Herzog Novi aus Montenegro, der jugoslawische Vizemeister. Noch am Tag zuvor hatten beide Mannschaften den Ernstfall geprobt, teilweise bis zur Überhärte, und sich schließlich 10:10 getrennt. „Nur so können wir uns darauf einstellen, was uns gegen Budapest, Kranj und Sliema erwartet", sagt Sören Mackeben. Sein Gesicht ziert ein blaues Auge, das er sich in den Trainingseinheiten zuvor geholt hatte. 24 Stunden vor dem Abflug des Trainingspartners aus Montenegro zur Len-Trophy in Barcelona haben sich beide Trainer auf ein entschärftes Programm geeinigt: In Über- und Unterzahl zu spielen und Tore aus allen Lagen zu werfen.

Dabei strotzen die Spandauer vor Selbstbewusstsein. Haben sie vor kurzem noch beklagt, dass die Spieler in den europäischen Top-Teams allesamt Profis sind und die Berliner deshalb mit ihnen nicht mehr mithalten können, sagt Röhle mittlerweile etwas anderes: „Mit unseren neuen Leuten können wir alle schlagen." Und die ehemaligen Hannoveraner Spieler Sören Mackeben, Mark Politze und Marko Savic hämmern dazu im Hintergrund die Bälle serienweise ins Tornetz. Als wollten sie ihren Trainer bestätigen.

Röhle beordert Politze sogar kurzzeitig an den Beckenrand und sagt: „Es wird mir unheimlich, was du für Tore wirfst." Mackeben begründet das neue Selbstbewusstsein hinterher ganz einfach. „Wir sind schlauer als die Gegner." Den Beweis dafür kann der deutsche Rekordmeister und einstige Europacupsieger am Freitag im ersten Spiel der Champions-League-Runde gegen Honved Budapest antreten. Diese Mannschaft verlor im vergangenen Jahr erst im Finale der Champions League gegen Athen und hat seitdem personell und finanziell enorm aufgerüstet. „Natürlich wollen wir gewinnen", sagt Röhle, „aber das wichtigste Spiel um den zweiten Platz, der uns in die nächste Runde bringt, folgt danach gegen die Gastgeber aus Kranj." Darauf, dass dies gegen die Slowenen auch gelingen wird, stoßen die Spandauer nach Trainingsende schließlich an. Röhle mahnt zur Vorsicht: Kuchen und Bier als Menü vertrage nicht jeder.

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