Sport : Schlauer als Mühlegg

Axel Teichmann ist der neue Star der Skilangläufer

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Ramsau (Tsp). Ein paar Tage wird er wohl noch brauchen. „Ich werde bis Weihnachten nachdenken müssen, bis ich das alles realisiert habe“, sagte Axel Teichmann am Wochenende. Der Skilangläufer aus Thüringen ist unversehens zur neuen Hoffnung des Deutschen SkiVerbandes aufgestiegen. Am Samstag hatte er in Ramsau das Jagdrennen über 20 Kilometer klar gewonnen. Neben Teichmann überzeugten beim Jahresabschluss auch Tobias Angerer (Vachendorf) als Dritter und René Sommerfeldt (Oberwiesenthal) als Vierter. Es war der erste Weltcupsieg eines deutschen Jagdläufers nach 13 Jahren – damals gewann Jochen Behle über 50 Kilometer. Er ist heute der erfolgreiche Trainer von Axel Teichmann.

Das Rennen in Ramsau war für den 23-jährigen Teichmann der unverhoffte Durchbruch. Dabei hatte der zweimalige Junioren- Weltmeister nach zwei unglücklich verpassten Medaille die Bretter schon in die Ecke stellen wollen. Zuerst hatte er einen Unfall bei der Ski-WM in Lahti im vergangenen Jahr. Dort war Teichmann im Training mit einem Betreuer zusammengestoßen; er verletzte sich so schwer am Arm, dass er nicht in der Staffel mitlaufen konnte. Ohne ihn gewann die Staffel Bronze.

Ein Jahr später bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City wollte ihn Behle im Jagdrennen für die Staffel schonen. Teichmann lief trotzdem, wurde 39. und flog erneut aus der Staffel. Die gewann erstmals Olympia-Bronze. Wieder ohne ihn. Danach dachte Teichmann ans Aufhören. Statt Ski zu fahren, wollte er Elektrotechnik studieren. Auf sportliches Mittelmaß hatte er keine Lust. „Ich habe doch noch was in der Birne“, sagte Teichmann nach den Olympischen Spielen.

Nun ist das alles für ihn „kein Thema mehr“. Auch der Trainer, der ihn noch umgestimmt und neu motiviert hat, ist begeistert. „In den vergangenen Jahren wurde Axel immer wieder durch Erkältungen zurückgeworfen“, erzählt Behle. „Aber diesmal war er ausgeruht und bereit, im Weltcup ganz nach vorne zu laufen.“

Den Gesamtweltcup zu erobern, schaffte als letzter Deutscher der Bayer Johann Mühlegg. Der gewann jedoch alle seine Weltcuprennen und holte dann die große Kristall-Kugel für den Gesamtsieg erst nach dem Wechsel nach Spanien. Teichmann wehrt sich allerdings gegen alle Vergleiche mit dem in Salt Lake City des Dopings überführten Mühlegg, der zuvor ebenfalls zweimal Junioren-Weltmeister war. „Ich bin kein zweiter Johann Mühlegg“, sagt Axel Teichmann dazu. „Ich hoffe doch, im Kopf etwas schlauer zu sein.“

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