Sport : Schlecht beraten

Aufgrund fragwürdiger Immobiliengeschäfte sind offenbar einige Handballer in finanzielle Not geraten

Erik Eggers[Hamburg]
Vorgeworfen. Auch Konrad Wilczynski von den Füchsen soll die Dienste des Vermittlers Scholz genutzt haben. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Vorgeworfen. Auch Konrad Wilczynski von den Füchsen soll die Dienste des Vermittlers Scholz genutzt haben. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Sechs Jahre lang verdiente Logi Geirsson gutes Geld als Profi beim TBV Lemgo, in der besten Handball-Liga der Welt. Auf seiner Heimatinsel ist der 27-Jährige ein Star, seitdem er mit Island bei den Olympischen Spielen in Peking Silber gewann. Wegen seines Äußeren wurde er oft als isländischer David Beckham präsentiert. Doch aller Glanz trog. Nicht nur, dass Geirsson seine Laufbahn im Juni wegen einer Schulterverletzung beenden musste. Auch steht er offenbar vor dem finanziellen Kollaps. Logi Geirsson plagen nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ angeblich Verbindlichkeiten aus Immobilienkäufen in Höhe von knapp zwei Millionen Euro.

Demnach hat Geirsson zwischen 2006 und 2009 insgesamt 20 Objekte erworben, vermittelt hat sie allesamt Björn-Heiko Scholz, Geschäftsführer der in Hamburg ansässigen Benedict Star GmbH. Auf ihrer Internetseite wirbt die Firma mit ganzheitlichen Finanzkonzepten und der Betreuung vieler Profisportler. „Sie sind zu mir gekommen, weil ich für sie das Maximum aus ihrer Karriere heraushole und sie gleichzeitig das sein lasse, was sie sind: Sportler!“, heißt es dort. Die 24 Profis, denen Scholz Immobilien vermittelt hat, spielen in zehn Bundesliga-Klubs, unter anderem beim THW Kiel, der SG Flensburg-Handewitt, dem HSV Handball, dem SC Magdeburg und den Füchsen Berlin. Unter ihnen sind die Nationalspieler Sven-Sören Christophersen, Petr Stochl, Konrad Wilczynski (alle Füchse Berlin) und Lasse Boesen (Flensburg).

Diese vier und Geirsson haben Scholz im Herbst 2009 einen Freibrief ausgestellt, nachdem diesem in einigen Zeitungen vorgeworfen worden war, er habe seine Kunden geschädigt. Sie unterschrieben, von Scholz stets „bestens beraten“ worden zu sein. Scholz selbst hatte die Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. Doch nun kümmert sich die Staatsanwaltschaft Detmold um den rhetorisch gewandten Immobilienvermittler. Fynn Holpert, der Beiratsvorsitzende des TBV Lemgo, hat Scholz wegen Betrugs angezeigt: Er wirft ihm vor, ihn „als Käufer bei der Abwicklung eines Immobiliendeals in Berlin im Sommer 2007 mit Hilfe des Verkäufers und einer Notarin geschädigt zu haben“. Es geht um rund 345 000 Euro, um die Holpert auch vor dem Landgericht Detmold streitet.

Der Anwalt von Scholz, Thomas Bliwier, bestätigt auf Anfrage die Zivilklage und auch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Die Vorwürfe gegen seinen Mandanten hätten allerdings „keine Substanz“. Er habe bereits Antrag auf Einstellung des Verfahrens gestellt. Im Übrigen sehe sich Scholz bei dem Immobiliengeschäft „selbst als Geschädigter“, da er selbst Objekte erworben habe.

Dass nun Fynn Holpert Scholz verklagt, ist insofern interessant, da nach Angaben einiger Spieler er es gewesen sein soll, der für sie den Kontakt zu Scholz hergestellt hat. Holpert bestritt das auf Nachfrage. Den ehemaligen Sportmanager drücken laut „Spiegel“ ebenfalls Verbindlichkeiten aus Immobilien-Käufen in Höhe von 1,8 Millionen Euro; Holpert soll zudem Scholz für Immobilienkäufe eine Vollmacht in Höhe von zehn Millionen Euro ausgestellt haben. Auch von anderen Profis ist bekannt, dass sie Scholz weitgehende Vollmachten ausgestellt haben. Viele von ihnen wussten nicht einmal, wo die Kaufobjekte lagen, die sie gerade erwarben. Viele Profis ziehen es deshalb vor, anonym zu bleiben: Sie schämen sich für ihre Sorglosigkeit und Naivität.

Neben Geirsson lassen sich inzwischen weitere Profis, denen die Zins- und Tilgungsraten über den Kopf wuchsen, anwaltlich beraten. Scholz-Anwalt Bliwier stellt auf Anfrage aber fest, dass ihm keine Klage oder Anzeige eines Spielers gegen Scholz vorliege.

Klar ist, dass Scholz versuchte, über Spielerberater an die kaufkräftige Klientel zu gelangen. Auch suchte Scholz den Kontakt zur Branchengröße Wolfgang Gütschow, der unter anderem Pascal Hens managt. Gütschow lehnte die Zusammenarbeit mit Scholz ab. Ihm habe, erklärte er dem Tagesspiegel, nach einem Telefonat mit dem Vermittler dessen „ganze Firmenphilosophie nicht geschmeckt“.

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