Sport : Schlecht gelaufen

Friesinger gibt bei Allround-WM auf, Pechstein wird Zweite

Mathias Klappenbach

Nachdem sie das Fernsehinterview abgebrochen hatte, musste sie sich erst einmal übergeben. Anni Friesinger wollte bei der Allround-Weltmeisterschaft der Eisschnellläufer im norwegischen Hamar eigentlich zum dritten Mal nach 2001 und 2002 den Titel holen, aber statt mit der Goldmedaille endete der Wettkampf für sie mit einem Kreislaufkollaps. Nach der dritten von vier Strecken musste die Favoritin als Führende der Gesamtwertung aufgeben, weil sie mit ihren Kräften am Ende war. „Anni hat alles versucht, wollte sich der Konkurrenz stellen. Aber es ging einfach nicht mehr“, sagte ihr Manager Klaus Kärcher.

So lag vor dem abschließenden 5000-m-Rennen plötzlich Claudia Pechstein in Führung, doch auch die Berlinerin hatte ein kleines Problem. 500 Meter vor dem Ziel wäre sie fast gestürzt, als sie aus der Kurve getragen wurde und viel Tempo verlor. Pechstein konnte aber weiterfahren und gewann die Silbermedaille hinter der Niederländerin Renate Groenewold, die das erste WM-Gold für die niederländische Damen seit 30 Jahren holte. Pechstein, die zum siebten Mal eine Silbermedaille bei Weltmeisterschaften gewann, war trotz ihres Fahrfehlers zufrieden. „Ich hatte eigentlich immer ein gutes Gefühl, weil die Vorbereitung so gut lief. An den Titel hatte ich zuvor aber nie gedacht. Schade, dass dann so etwas passiert“, sagte Claudia Pechstein.

Bei Pechsteins Dauerkonkurrentin Anni Friesinger, die schon nach dem ersten Tag und den Strecken über 500 Meter und 3000 Meter auf Rang eins gelegen hatte, war die Vorbereitung dagegen alles andere als optimal verlaufen. Die Inzellerin hatte im Trainingslager vor der WM vier Tage wegen einer Erkältung nicht trainieren können. „Ich habe zu spüren bekommen, dass die Vorbereitung nicht optimal gelaufen ist“, sagte die 27-Jährige, bevor sie sich fix und fertig in ihre Kabine setzte und auch keine Interviews mehr geben wollte.

Stattdessen begab sich Anni Friesinger erst einmal in medizinische Behandlung. Schon im vergangenen Jahr hatte sie ihren Titel nicht verteidigen können, weil sie erkrankt war. „Sie ist völlig entkräftet und braucht in den nächsten Tagen Ruhe. Die Kreislaufprobleme sind aber eindeutig auf ihren Infekt zurückzuführen“, sagte ihr Manager Klaus Kärcher. „Das steckte noch in ihrem Körper. Man merkt es halt dann erst bei der höchsten Belastung.“ Die überragende Läuferin der bisherigen Saison verpasste durch ihre Aufgabe die Chance, als erste Frau Medaillen bei allen vier großen internationalen Wettkämpfen in einem Jahr zu gewinnen.

Letzter Saisonhöhepunkt sind die Einzelstrecken-Weltmeisterschaften in Seoul. Bis dahin hat Anni Friesinger jetzt einen Monat Zeit, sich zu erholen und vorzubereiten. Schließlich muss sie dann gleich drei Titel verteidigen.

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