Sport : Schlecht gemeinte Ratschläge

Stefan Hermanns

verteidigt Klinsmann gegen Matthäusbreitnerbeckenbauer Man muss im Moment ein bisschen Angst haben um den deutschen Fußball im Allgemeinen und um Jürgen Klinsmann im Besonderen. „Immer mehr Zweifel an Klinsmann“, hat die größte Sportzeitung des Landes gestern auf ihrer Titelseite verkündet, und vermutlich hat der Bundestrainer beim Frühstück wieder mal mit dem Schlimmsten gerechnet: mit einem Angriff seines Lieblingskritikers Matthäusbreitnerbeckenbauer, der der Öffentlichkeit dann wieder als gut gemeinter Ratschlag verkauft werden würde.

Die Realität war dann zum Glück nicht ganz so schlimm wie die Drohung auf Seite eins. Die Redaktion hatte ein paar alte Anti-Klinsmann-Aussagen aus dem vergangenen Jahr recycelt, um wieder einmal ihre allgemeine Klinsmann-Skepsis zu dokumentieren. Sollte die Nationalmannschaft in der Türkei verlieren, wäre die Zeitschrift der allgemeinen Hysterie wieder einige Tage voraus gewesen.

Klinsmann weiß, dass die Öffentlichkeit nur von Spiel zu Spiel denkt, während er das große Ganze, die WM und den WM-Titel, im Blick hat. Das macht ihm die Arbeit nicht unbedingt leichter. Aber leicht war es für ihn von Anfang an nicht. Klinsmann hat im August 2004 eine völlig missratene Mannschaft übernommen, und trotzdem hat er sich zum Ziel gesetzt, daraus innerhalb von zwei Jahren eine weltmeisterliche Equipe zu formen. Unmöglich eigentlich. Doch Klinsmann denkt auch das Unmögliche. In einem strukturkonservativen Umfeld wie dem deutschen Fußball reicht das schon, um sich verdächtig zu machen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben