Sport : Schlecht wie nie

Alba steckt in Vitoria die höchste Niederlage aller Zeiten in der Europaliga ein

Helen Ruwald

Berlin - Als die Demütigung auf dem Feld endlich vorbei war, begann sie daneben von Neuem. „Es mag seltsam klingen“, sagte Tau Vitorias Trainer Dusko Ivanovic, „aber wir müssen viel besser spielen.“ Kurz zuvor hatte seine Mannschaft Alba Berlin beim 106:65 die höchste Niederlage in der Berliner Europaligageschichte beigebracht. Zuletzt hatte Alba am 28.10.1992 beinahe so hoch verloren, damals setzte es in Spanien im Europapokal bei Elosua Leon ein 51:91. Noch schlimmer als am Mittwochabend erwischte es das Team nur einmal in der Vereinsgeschichte: bei der 64:108-Pleite 1991 im Bundesligaspiel in Leverkusen.

Ivanovics Kritik bezog sich auf das erste Viertel, in dem sein Starensemble sich mit einem 24:24 begnügen musste. Doch was danach kam, „das steckt man erst einmal gar nicht weg“, sagt Sportdirektor Henning Harnisch, am Ende „waren das anstrengende Minuten, da quält man sich nur noch“. Alba leistete keinen Widerstand mehr und ließ das Unvermeidbare fassungslos geschehen. Für Geschäftsführer Marco Baldi ist „das schlechtest mögliche Szenario“ wahr geworden. Eine, auch deutliche, Niederlage hatte er einkalkuliert – es wurde eine Klatsche.

Die Spanier waren dem Neuling vorne wie hinten, spielerisch wie kämpferisch überlegen. Sie trafen obendrein 15 Mal aus der Distanz und profitierten davon, dass Albas Antreiber Julius Jenkins verletzt fehlte. Dennoch „hält sich der Lerneffekt in Grenzen“, sagt Baldi. Zum einen, weil der Gegner fähig ist, Basketball zu zelebrieren wie wenige andere Teams, und in der Europaliga seit Jahren zu den ganz Großen zählt, Alba hingegen zu den ganz Kleinen, die stolz sind, überhaupt mitmachen zu dürfen. Zum anderen habe die Mannschaft in Vitoria „ihr Konzept nicht durchgebracht“, sagt Baldi. Und dann ging eben gar nichts mehr.

„Ich habe schon schlimmere Niederlagen erlebt“, sagt Albas Trainer Luka Pavicevic äußerlich ruhig. „Wir spielen in der höchsten Liga. Solche Dinge passieren jede Saison.“ In abgeschwächter Form sogar jede Woche. An den ersten beiden Europaliga-Spieltagen endeten sieben von 24 Spielen mit 24 bis 34 Punkten Unterschied. „Das Spiel hat gezeigt, was es auf der negativen Seite heißen kann, Europaliga zu spielen“, meint Harnisch. Ein Videostudium des Dramas wird Pavicevic den Profis ersparen. „Das Spiel ist Geschichte, diese Einstellung erwarte ich auch von den Spielern“, sagt er. Bloß raus aus den Köpfen mit der Pleite und dem Frust.

Am Wochenende haben die Berliner spielfrei und können sich von ihrer neuntägigen Auswärtsreise über Istanbul, Ulm und Vitoria zurück nach Berlin erholen. Eine Konstellation, die Baldi nicht behagt: „Es wäre besser, gleich wieder in einem Spiel Sicherheit zu gewinnen.“

Das können die Berliner nun erst am kommenden Donnerstag im Heimspiel gegen Joventut Badalona tun, ein weiteres spanisches Spitzenteam. Vier von sechs Mannschaften ziehen in die nächste Runde ein. Mit einem Heimsieg und zwei Auswärtsniederlagen liegt Alba im Soll – bislang. Für Baldi ist die Partie gegen Badalona „ein Schlüsselspiel“. Eines, in dem sich Alba keine Niederlage leisten sollte. Und schon gar kein Debakel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben