Sport : Schlechte Aussichten

Ralf Schumacher startet nicht beim Formel-1-Rennen in Frankreich – er fällt wohl die ganze Saison aus

Karin Sturm

Magny-Cours – Irgendwie passt es in eine Saison, in der einfach alles schief läuft: Ausgerechnet am Vorabend seines 29. Geburtstags erfuhr Ralf Schumacher bei einer Nachuntersuchung in einer Spezialklinik in Bad Nauheim, dass sein spektakulärer Unfall vor gut einer Woche beim Formel-1-Rennen in Indianapolis noch üblere Folgen hatte als gedacht. Zwei Wirbel sind angebrochen – Haarrisse offenbar, die bei den Untersuchungen in den USA nicht entdeckt wurden.

„Um ehrlich zu sein, habe ich mir meinen Geburtstag so nicht vorgestellt. Die gestrige Diagnose der Ärzte war schon der Hammer“, ließ Schumacher über seinen Pressesprecher ausrichten. „Es dauert jetzt halt länger, bis ich wieder vollkommen fit werde.“ Mit acht bis zwölf Wochen Genesungszeit rechnen die Ärzte in Bad Nauheim. Demnach dürfte ein Einsatz im besten Fall frühestens beim belgischen Grand Prix Ende August wieder möglich sein. Beim Rennen am Sonntag in Magny-Cours nimmt erst einmal Ersatzfahrer Marc Gené den Platz im BMW-Williams ein. Möglich aber auch, dass man sich bei BMW-Williams überlegt, auch einmal den zweiten Testpiloten, den jungen Brasilianer Antonio Pizzonia, in einem Rennen zu testen. Er steht schließlich für einen Stammplatz 2005 zur Diskussion. Und Jacques Villeneuve, der frühere Weltmeister, der ebenfalls mit einem Williams-Cockpit für 2005 in Verbindung gebracht wird? Er wird sein Formel-1-Comeback bestimmt nicht mehr in dieser Saison geben. Von einem überhasteten Einstieg ohne ausreichende Testfahrten hätten weder er selbst noch das Team etwas.

Aber was wird aus Ralf Schumacher, vor allem angesichts seiner undurchsichtigen Vertragssituation? Er hatte hoch gepokert, das Angebot von Frank Williams für eine Vertragsverlängerung abgelehnt und mit einem Wechsel zu Toyota kokettiert. Das war noch vor der schwachen Saison, vor dem Unfall und seinen Folgen. Kaum jemand glaubt, dass Schumacher bei BMW-Williams bleiben wird. Die Frage ist nur, ob der Vertrag mit Toyota schon unterschrieben ist. Und – falls nicht – ob der Unfall einen Einfluss auf die Entscheidung der Japaner haben könnte. Geht man davon aus, dass bei Toyota Fahrerverpflichtungen unter rationalen Gesichtspunkten getroffen werden, dürfte der Crash aber eigentlich keinen größeren Einfluss auf die Entscheidung haben. Die Verträge (ob nun unterschrieben oder nicht) sehen in der Regel ohnehin eine endgültige Abschlussuntersuchung durch einen Teamarzt vor – so wie das auch bei Bundesliga-Profis üblich ist. Der Rennstall würde also kein Risiko eingehen.

In Formel-1-Kreisen gehen einige nun sogar davon aus, dass Toyota schon vor dem Rennen in Silverstone in einer Woche in Absprache mit Frank Williams die Verpflichtung von Schumacher bekannt gibt. Denn wenn der Deal wie angenommen im Prinzip abgeschlossen ist, dann wäre es in der jetzigen Situation wahrscheinlich für alle Seiten besser, die Spekulationen endlich zu beenden. Toyota kann dann bereits gezielter für die Saison 2005 planen. BMW-Williams kann sich endlich offen und offensiv um die Auswahl der Fahrer für das nächste Jahr kümmern – schließlich verlässt auch Juan Pablo Montoya das Team, und zwar in Richtung McLaren-Mercedes. Und vielleicht hat die Zwangspause auch ein Gutes für Ralf Schumacher: Bisher musste er in dieser Saison vor allem schlechte Platzierungen oder Ausfälle erklären, jetzt kann er sich in aller Ruhe auskurieren. Und sich überlegen, ob es überhaupt Sinn macht, in dieser Saison noch einmal ins Cockpit zu steigen.

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