Sport : Schlechte Karten für die Nummer 1

Tim Lobinger wird wohl nicht für den Europacup nominiert

Jörg Wenig

Dortmund. In einer einzigen Disziplin sind die deutschen Leichtathleten zurzeit der Maßstab in der Welt. Doch ausgerechnet im Stabhochsprung gewann beim Meeting in Dortmund kein Athlet des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Der Südafrikaner Okkert Brits übersprang als Einziger die 5,75 m und lag damit vor Lars Börgeling (Bayer Leverkusen/5,70 m), während für die derzeitige Nummer eins in der Welt nur Platz vier blieb: Tim Lobinger (ASV Köln), der Hallen-Weltmeister von Birmingham im März, schaffte nur 5,50 m. Zumindest seine Jahresweltbestmarke von 5,86 m hielt jedoch den Versuchen von Okkert Brits stand. Der Südafrikaner scheiterte dreimal an 5,87.

Das Stabhochsprung-Ergebnis von Dortmund macht es den Funktionären des DLV nicht einfach, wenn es darum geht, das Team zu nominieren, das am nächsten Wochenende beim Europacup in Florenz antritt. Dortmund sollte die Entscheidung bringen, welcher Springer den Platz besetzt. Und nun sieht es so aus, als ob man die einzige Nummer eins der internationalen Leichtathletik zu Hause lassen müsste. Festlegen wollten sich die Funktionäre gestern Nachmittag jedoch nicht. „Der Teamleiter wird einen Vorschlag machen. Morgen werden wir die Nominierung bekannt geben“, sagte DLV-Generalsekretär Frank Hensel, der hinzufügte: „Der Wettkampf in Dortmund hat eine besondere Bedeutung – und der Unterschied betrug heute immerhin 20 Zentimeter.“

Für die Athleten war die Situation eigentlich klar. „Wir hatten uns gestern unterhalten und gesagt, wer heute gewinnt, der fährt nach Florenz“, sagte Lobinger, der die Niederlage gelassen nahm. „Wenn ich nicht beim Europacup starte, dann habe ich ein Wochenende mehr Zeit zum Training“, so Tim Lobinger, bei dem es zuletzt auf und ab ging. Erst setzte er sich mit 5,81 m an die Spitze der Weltrangliste 2003, dann kam er in Cottbus nicht über 5,40 m hinaus und verlor schon dort gegen Lars Börgeling, dann verbesserte er seine Höhe auf 5,86 m, und nun kam wieder ein Flop in Dortmund. „Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber der nächste Schritt sind für mich jetzt die 5,90 Meter – ich hatte gute Ansätze, obwohl ich 5,70 dreimal gerissen habe“, erklärte Lobinger.

Lars Börgeling hat gestern den vielleicht wichtigsten Schritt Richtung WM in Paris gemacht. Und damit ist er weiter als die meisten anderen DLV-Athleten. Während Lars Riedel (Chemnitz) im Diskuswerfen mit 66,33 m überraschend gegen Michael Möllenbeck (Wattenscheid/67,42) verlor, freute sich ein anderer mehr über Rang zwei: René Herms (Pirna) erfüllte in 1:45,39 Minuten hinter Wilfred Bungei (Kenia/1:44,44) zum dritten Mal die WM-Norm des DLV. Das ist ein Erfolg für den erst 20-Jährigen, doch bis zur Weltspitze ist es noch ein weiter Weg. So überlegen war Bungei, dass er schon 30 Meter vor dem Ziel , die Arme hochriss und damit eine Weltklassezeit verschenkte.

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