Sport : Schlechte Stimmung an der Alten Försterei

1. FC Union unterliegt Trier mit 1:3, und die Spieler wollen Gehaltskürzungen nicht akzeptieren

Karsten Doneck

Berlin. Achim Mentzel sang den Fans vor dem Anpfiff ein Lied. Im Refrain schwärmt der Entertainer von der „Stimmung in der Alten Försterei“, so auch der Titel seiner CD. Diese zu Recht hoch gelobte Fußball-Atmosphäre war indes knapp zwei Stunden später im Eimer. Und das nicht nur, weil Zweitligist 1. FC Union vor der Saison-Minuskulisse von 6326 Zuschauern mit 1:3 (1:0) dem Aufsteiger Eintracht Trier unterlegen war. Auch die Haltung der Spieler in der leidigen Frage der Gehaltskürzungen sorgt für Verdruss. Die Union-Profis lehnen offenkundig den Kompromissvorschlag ab, den der Verein zusammen mit Frank Rybak, dem Anwalt der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV), zur Konsolidierung des Etats ausgehandelt hatte. Die Spieler sollen demnach bis Saisonende auf 20 Prozent ihres Gehalts verzichten und später in zwei Raten 15 Prozent der einbehaltenen Gehälter nachgezahlt bekommen. Effektiv müssten sie also eine fünfprozentige Gehaltseinbuße hinnehmen.

Gestern Abend erhielten die Union-Profis schriftlich die entsprechenden Zusatzvereinbarungen zu den Verträgen, die sie, so erwartet es zumindest das Präsidium, heute zurückgeben sollen, versehen mit ihren Unterschriften. Steffen Menze, der Kapitän, begründete im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) noch einmal die ablehnende Haltung der Spieler. „Verträge sind dazu da, um eingehalten zu werden“, sagte Menze. Die Spieler widersprechen dem 20-prozentigen Gehaltsverzicht bis Saisonende keineswegs, sehen ihn aber eher als ein zinsloses Darlehen an den Verein: Sie fordern das Geld in zwei Raten von je zehn Prozent, zahlbar im August und September nächsten Jahres, komplett zurück.

Ob er sich vorstellen könne, dass nun Spieler des 1. FC Union ins Ausland wechseln würden, wurde Menze im DSF gefragt. „Dessen bin ich mir sicher“, antwortete der Kapitän. Einer wechselt tatsächlich vielleicht bald, bleibt aber im Lande. Union-Stürmer Petar Divic, zuletzt als Langzeitverletzter nicht einsetzbar, nutzte das Gastspiel von Eintracht Trier in Berlin, um mit dem Gegner zu verhandeln. Die Trierer wollen Divic verpflichten, haben auch schon offiziell beim Verein vorgefühlt. Von 150 000 Euro Ablöse ist die Rede.

Eine Menge Sorgen kommen da auf Heiner Bertram zu. „Wir werden auch nach der Winterpause einen Kader haben. Wie der dann aussieht, kann ich heute noch nicht sagen“, so der Union-Präsident. Als hätte ihm die Heimniederlage gegen Trier nicht schon genug zugesetzt… „So ein Spiel muss man nicht verlieren. Man darf in der zweiten Halbzeit nicht so abbauen, wie das unserer Mannschaft passiert ist“, schimpfte Bertram.

Die Trierer spielten nicht gut, aber immerhin effektiv. Sie nutzten ihre wenigen Tormöglichkeiten durch Pekovic, Winkler und Thömmes konsequent, profitierten dabei auch noch von Stellungsfehlern in der gegnerischen Abwehr. Union hatte zuvor auf dem schwer bespielbaren, glatten Rasen lediglich die unterhaltsameren Szenen gehabt. Da narrte zum Beispiel Ronny Nikol, dem Kontakte zum VfB Lübeck nachgesagt werden, mit einer einfachen Körpertäuschung die gemeinsam herbeipreschenden Keller und Braham, und während Nikol mit dem Ball am Fuß davonlief, prallten die beiden Trierer mit den Köpfen zusammen – so sehr, dass sie kurz behandelt werden mussten. Oder da war Kostadin Widolow: Wie der Bulgare kurz vor der Pause einen Freistoß aus spitzem Winkel ins lange Eck zirkelte, das hatte Klasse. Vielleicht war dieses Führungstor aber zugleich auch Widolows Abschiedsgeschenk an Union. Den Spielmacher zieht es zurück nach Bulgarien. Heute will er seine Entscheidung bekannt geben, ob und wann er sich verabschiedet. Die Tendenz geht dahin, dass Widolow Union bereits zur Winterpause verlässt.

Der 1. FC Union befindet sich in einer kritischen Phase. In solcher Lage rät ein Routinier wie der Stürmer Sreto Ristic dazu, „jetzt erst mal zu entspannen und dann mit einer guten Vorbereitung in die Rückrunde zu gehen“. Weihnachtliche Gefühle mochten aber zumindest bei Ristics Teamgefährten Hristo Koilow nicht aufkommen. Die Niederlage gegen Trier kommentierte Koilow: „Das war keine schöne Bescherung.“ Union-Trainer Mirko Votava warnte allerdings vor allzu viel Pessimismus. „Man darf jetzt nicht alles schwarz sehen, hier kam ja schon so eine seltsame Stimmung auf“, sagte Votava. Die Stimmung an der Alten Försterei eben – und die lässt sich derzeit selbst von einem Achim Mentzel nicht schönsingen.

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