Sport : Schlechter geht’s nicht

Hertha verliert 0:1 gegen Bukarest, Madlung und Boateng fliegen vom Platz, und auch Bastürk ist im Rückspiel gesperrt

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Die Zuschauer aus der Fankurve von Hertha BSC brüllten kurz vor dem Spielende genau das, was fast alle im Olympiastadion dachten: „Wir ha’m die Schnauze voll!“ Der Fußball-Bundesligist unterlag Rapid Bukarest in der dritten Runde des Uefa-Pokals 0:1 (0:0). Während der 90 an Niveaulosigkeit kaum zu überbietenden Minuten ging bei den Berlinern beinahe alles schief, was nur irgend schief gehen konnte: Kevin-Prince Boateng und Alexander Madlung wurden des Platzes verwiesen und sind ebenso wie Mittelfeldspieler Yildiray Bastürk wegen seiner dritten Gelben Karte für das Rückspiel heute in einer Woche gesperrt. Der Einzug ins Achtelfinale gegen die heimstarken Rumänen käme unter diesen Voraussetzungen einem Wunder gleich.

Zum vierten Mal hintereinander erzielten die Berliner im Uefa-Cup kein Tor. „Jetzt werden die Stimmen gegen das Management und den Trainer natürlich losgehen“, sagte Kapitän Arne Friedrich. „Aber die Schuld ist bei der Mannschaft zu suchen.“ Das Team spielte vor nur 13 430 Zuschauern von Beginn an verunsichert. Doch je länger das Spiel dauerte, desto häufiger waren Fehlpässe, misslungene Dribblings und schlechte Ballannahmen zu sehen. Kein Berliner brachte auch nur annähernd die Leistung, zu der er im Normalfall fähig ist.

Torwart Christian Fiedler eröffnete das Fehlpass-Festival in der 10. Minute mit einem Zuspiel auf den Rumänen Artavazd Karamayan, der diese unerwartete Chance jedoch nicht zu nutzen wusste. Kurze Zeit später vertändelte Arne Friedrich den Ball als letzter Mann – wieder hatte Hertha Glück, dass die Stürmer Rapids mit dieser Gelegenheit nichts anfangen konnten. Es folgten die bereits seit Monaten erkennbaren Schwierigkeiten bei der Eröffnung des Spiels: ungenaue Zuspiele und schlecht geschlagene Flanken. Die einzige Chance Herthas in der ersten Halbzeit vergab Marcelinho mit einen Volleyschuss aus kurzer Distanz, der geblockt wurde. Später wurde der Brasilianer ausgewechselt. Ob die Herausnahme des Mittelfeldspielers als Zeichen von Unzufriedenheit zu werten sei, wurde Trainer Falko Götz nach dem Spiel gefragt. Seine Antwort fiel knapp und eindeutig aus: „Ja.“ Auch Manager Dieter Hoeneß äußerte nach dem Spiel sein Unverständnis über das nun „schon lange andauernde Formtief“, die Fans riefen bereits zur Halbzeit: „Hoeneß raus!“

Während der zweiten Hälfte wurden die Rufe lauter, weil Herthas Spiel noch schlechter wurde. In der 67. Minute schlugen die Rumänen schließlich zu: Nach einem langen Pass versuchte Daniel Niculae den Berliner Verteidiger Alexander Madlung auszutricksen, Madlung ließ sein Bein stehen, Niculae stolperte darüber, und der Schiedsrichter gab Elfmeter! Negru verwandelte. Drei Minuten später brachte Falko Götz mit Solomon Okoronkwo endlich einen zweiten Stürmer – dachten viele. Doch der Trainer nahm dafür den einzigen Stürmer Vaclav Sverkos vom Platz. „Ich habe damit schon den nächsten Wechsel vorbereitet“, sagte Götz später. In der 78. Minute schickte er den Angreifer Ashkan Dejagah für Malik Fathi aufs Spielfeld.

Da spielte Hertha nur noch zu zehnt, weil Boateng eine Rote Karte wegen eines nach Meinung des Schiedsrichters Gonzalez groben Foulspiels gesehen hatte. Eine fragwürdige Entscheidung. Genau wie die Gelbe Karte für Alexander Madlung in der ersten Halbzeit. Die zweite in der 86. Minute für absichtliches Handspiel war allerdings berechtigt. Nach den beiden Roten Karten im Spiel gegen Wolfsburg am Samstag hat Hertha nun vier Platzverweise in zwei Pflichtspielen kassiert. In Unterzahl und mit der Brechstange hatten die Berliner anschließend noch ihre besten Chancen. „Dass wir mit neun Mann unseren besten Fußball gespielt haben, ist bezeichnend“, sagte Falko Götz.

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