Sport : Schlechtes Führungszeugnis

Hertha BSC hat schon wieder einen Vorsprung verspielt und den Saisonstart verpatzt

Friedhard Teuffel

Berlin - Gilberto ist noch nicht lange Fußballprofi bei Hertha BSC. Drei Spiele in der Bundesliga hat der Brasilianer mitgemacht. Doch das reicht ihm schon, um eine Gesetzmäßigkeit zu formulieren: „Wir führen, und irgendwann kommt der Ausgleich.“ Die Konsequenz für ihn lautet: „Wir sollten darüber im Training sprechen und besondere Situationen trainieren.“

Wenn das auch Trainer Falko Götz so sieht, wird es nach dem 1:1 gegen Aufsteiger Mainz 05 in den nächsten zwei Wochen nicht nur einen praktischen, sondern auch einen ausführlichen theoretischen Teil in den Übungsstunden bei Hertha BSC geben. Nach drei verspielten Vorsprüngen wird Götz die Berliner sicher auch mental besser auf Führungsaufgaben einstellen. Unterricht in neuerer Geschichte möchten Götz und Manager Dieter Hoeneß den Spielern jedoch nicht geben. „Es bringt nichts, jetzt die Geister der Vergangenheit zu rufen“, sagte Hoeneß. Er will die Spieler nicht mehr an die vergangene Saison erinnern, als Hertha nach ebenfalls schwachem Start bis zum vorletzten Spieltag geben den Abstieg gekämpft hatte.

Ein gutes Trainingslager und ein paar Siege in den Vorbereitungsspielen haben jedoch offenbar nicht gereicht, um die Berliner richtig auf diese Runde einzustimmen. Das 1:1 gegen Mainz 05 war der Beitrag, der noch gefehlt hat zu einem verpatzten Saisonbeginn. Dreimal Unentschieden, mehr haben die Berliner nicht hinbekommen.

Das jüngste davon gegen die Mainzer stellt auch viele Fragen. Eine davon ist: War es die ideale Aufstellung? Vier Abwehrspieler, zwei defensive Mittelfeldspieler, nur ein Stürmer – wo soll da der Druck herkommen? Nach der Pause wechselte Götz zwar Stürmer Fredi Bobic ein, aber in der Schlussphase des Spiels auch noch die beiden Verteidiger Malik Fathi und Alexander Madlung. Auf jeden Fall war es nicht die Aufstellung, um die Mainzer in die Enge zu treiben. Götz sagte: „Wenn Fredi Bobic die Fitness gehabt hätte für 90 Minuten, hätte er auch von Anfang an gespielt.“

Verpatzt ist der Saisonstart auch deshalb, weil zwei guten Leistungen in den ersten beiden Spielen zwei besonders schwache Auftritte folgten, erst das 1:0 im Pokalspiel beim Viertligisten TSV Aindling und jetzt das 1:1 gegen den FSV Mainz 05. Immerhin machte die Leistung weder Spieler noch Trainer sprachlos. Beinahe jedem fiel etwas ein. „Es war einfach zu wenig Bewegung im Spiel“, sagte Michael Hartmann. Und Fredi Bobic erklärte: „Wir haben uns von der Phantasie her sehr schwer getan.“

Der Anspruch an das eigene Spiel scheint jedoch noch nicht hoch genug zu sein. „Wir hatten das Spiel im Griff. Die Mainzer hätten nie ein Tor gemacht“, sagte Mittelfeldspieler Niko Kovac. In der Tat glichen die Mainzer nach Bobics Führungstreffer aus der 68. Minute zehn Minuten später nur durch einen Freistoß aus. Doch mit „das Spiel im Griff haben“ hatte Kovac stark übertrieben. In einem Duell zweier Leichtgewichte schob Hertha in der zweiten Hälfte etwas kräftiger, das war alles.

Trainer Götz war nach dem Spiel auch mit der Einstellung seiner Mannschaft unzufrieden: „Der allerletzte Wille hat wirklich gefehlt.“ Es war der Wille, Götz’ großes Versprechen umzusetzen, Hertha werde in dieser Saison offensiven Fußball zeigen. Doch ohne Torchancen ist Fußball nicht offensiv. Außer Bobics Tor hatten die Berliner nur eine sehr gute Möglichkeit in der zweiten Hälfte, als Bobic knapp am Mainzer Torwart Dimo Wache scheiterte, der den Ball mit den Fingerspitzen an die Latte lenkte.

Zwei Wochen bleiben den Berlinern nun bis zum nächsten Spiel beim 1. FC Nürnberg. Ob die Pause gut ist oder nicht, darauf hatte Hoeneß eine einfache Antwort: „Wenn wir gegen Nürnberg gewinnen, war sie gut.“ Götz scheint die Pause willkommen zu sein, denn er hat viel vor: „Wir haben heute gesehen, dass noch viel Arbeit auf uns zukommt.“ Genug jedenfalls, um in den nächsten zwei Wochen keine Langeweile zu haben.

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