Sport : Schleier oder Schläger

Frauen wollen in einem amerikanischen Klub Golf spielen – weil sie nicht dürfen, verkleiden sie sich

Matthias Krause

New York. Frauen in Burkas auf dem Golfplatz, gekleidet in jene Schleier, die unter dem Taliban-Regime in Afghanistan zum Symbol brutaler Unterdrückung geworden sind? Das klingt sehr abenteuerlich, könnte aber bald schon Realität werden. Daran zweifelt nicht einmal William Johnson, der Präsident des Augusta National Golf Club in South Carolina. Frauenrechtlerinnen in jägergrünen Burka-Kostümen, die von der Farbe her dem grünen Jacket gleichen, das jedesmal der Sieger überziehen darf, wollen im April das US-Masters begleiten, um so gegen die geschlossene Männergesellschaft in Johnsons Klub zu protestieren.

Aber den 71-jährigen Johnson berührt das nur sehr wenig. „Unsere Gäste sind Gentlemen, die werden das einfach ignorieren“, sagt er. Es ist noch eine Weile hin, bis die kleine Stadt Augusta, drei Autostunden östlich von Atlanta gelegen, wie jedes Jahr im April für eine Woche die weltbesten Golfprofis erleben wird. Doch was mit einem privaten Brief der Frauenrechtlerin Martha Burk an Johnson begann, schwappt schon seit fünf Monaten als Debatte von Küste zu Küste. Burk hatte den Chef des Klubs, der einst sogar Bill Gates auf die Warteliste abschob, aufgefordert, Frauen in den 292 Mitglieder zählenden Kreis zu lassen. Dabei sind Frauen im All-Mens-Club nicht per Statuten verboten. „Aber wir hatten bislang einfach nicht das Bedürfnis, eine Frau aufzunehmen", sagt Johnson. Das werde in naher Zukunft so bleiben. Basta.

Nichts deutet darauf hin, dass die Diskussion vor Beginn des Turniers ein Ende finden könnte. Gerade hat Burk, Chefin des National Council of Womens Organizations (NCWO) und somit Sprecherin von sechs Millionen Frauen, einen neuen Anlauf auf die Männerbastion genommen. Sie werde noch einmal alle Konzernchefs im Klub anschreiben, die sich bislang nicht dazu geäußert haben, wie sie es mit der Ausgrenzung der Frauen halten. In den USA, wo übergewichtige Teenager Fastfood-Ketten auf Schadenersatz nicht ohne Chance verklagen, legen sich Firmenbosse dünne Häute zu. So kam Johnson wohl auch einigen Großsponsoren zuvor, als er für das Turnier auf Gelder in Höhe von rund sieben Millionen Dollar verzichtetete. Gefährdet sei das Turnier dadurch nicht, sagt Johnson. Der Jahresbeitrag im Klub beträgt bis zu 50 000 Dollar, zudem füllen Fernsehgelder die Kasse. CBS jedenfalls will angesichts guter Einschaltquoten die Sache mit der Emanzipation lieber „sehr differenziert“ betrachten.

Eher genervt auf die Diskussion reagiert Tiger Woods. Den Weltranglistenersten der Profigolfer würde Burk gerne in einer Reihe mit den Protestlerinnen sehen. Er stehe dem Anliegen der Frauen zwar positiv gegenüber, sagt Woods, „aber es ist unfair, dass ich der einzige Spieler bin, der gefragt wird“. Es sei zu viel verlangt, die Chance aufzugeben, als Erster das Turnier dreimal in Folge zu gewinnen.

In Augusta geht die Angst um, dass die Golf-Party bedeutend kleiner ausfallen könnte. Einwohner berichten bereits, dass Konzerne - anders als in früheren Jahren - noch keine Luxusvillen für erlauchte Kreise gebucht haben. Auch Taxi- und und Busfahrer fürchten um lukrative Zusatzjobs, die pro Abend schnell mal 500 Dollar Trinkgeld einbringen würden. Nur aus der Stadtverwaltung klingt unerschütterlicher Optimismus. „Auch Protestler müssen essen und schlafen“, sagt ein Mitarbeiter. Selbst wenn sie jägergrüne Burkas tragen.

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