Sport : Schlingerkurs im Wasser

Frank Bachner

Nur um die Dinge vorweg richtig einzuordnen: Örjan Madsen darf vorerst weiter als Bereicherung des Deutschen Schwimmverbands gelten, als Profi, als Mann, der interessante Akzente setzt. Der neue Sportdirektor und Cheftrainer setzt einen Stab von Experten ein, er hat jeden Spitzenathleten persönlich besucht, er hat eine klar strukturierte Strategie. Dass es jetzt Diskussionen um die von dem Norweger so geliebten Höhentrainingslager gibt, muss nicht bedeuten, dass der Weg in die dünne Luft als solcher falsch ist. Für ein generelles Urteil ist es nach einem Trainingslager und nach einer Meisterschaft viel zu früh. Erfolge kann man nicht am Reißbrett planen. Dass man bei Leuten, die erstmals professionell in der Höhe trainierten, nachsteuern muss, ist normal.

Aber in Feinheiten hat sich der erfahrene 60 Jahre alte Trainer als unerwartet amateurhaft erwiesen. So ein Chaos wie jetzt in Hannover wäre seinem Vorgänger Ralf Beckmann nie passiert. Es geht nicht mal um die Frage, wie streng man bei einer Nominierung sein soll und muss. Diese Diskussionen gehören beim DSV zum Ritual. Vom Cheftrainer erwartet man nur eine klare Ansage, Madsens seltsamer Schlingerkurs aber verwirrt. Erst nominiert er Athleten nicht, dann verschiebt er die Entscheidung auf heute. Er verstärkt damit vor allem die Unsicherheit bei jenen, die sich sowieso, berechtigt oder nicht, als eine Art Opfer des neuen Projekts empfinden. Madsen verlangt viel, er muss deshalb auch Vertrauen aufbauen. Weit gekommen ist er in Hannover nicht damit.

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