Sport : Schluss mit der Heulerei

Wörns kritisiert seinen Abwehrpartner Metzelder

Felix Meinighaus[Dortm]

Trainer Thomas Doll hat sich schon vor seiner Zeit bei Borussia Dortmund ab und zu etwas Besonderes einfallen lassen, um seinen Spielern elementare Dinge zu verdeutlichen und sie zu motivieren. Beim HSV mussten sich die Profis rücklings von einem hohen Ventilator fallen und von den Mitspielern auffangen lassen, um das gegenseitige Vertrauen zu stärken. Ähnlich ist die Aktion zu werten, mit der am Mittwoch im Dortmunder Vorort Brackel die Trainingseinheit bei der abstiegsgefährdeten Borussia bereichert wurde: Die Spieler mussten sich huckepack durch die Gegend schleppen. Dass Christian Wörns und Christoph Metzelder bei dieser Übung ein Doppel bildeten, lag auf der Hand.

Heute müssen die beiden Innenverteidiger bei Alemannia Aachen ran, doch es erscheint nicht leicht, nebeneinander gute Leistungen abzurufen, wenn das Verhältnis getrübt ist. Wie sehr das inzwischen der Fall ist, zeigte sich nach der Niederlage in Bielefeld, durch die Dortmund auf einen Abstiegsplatz rutschte. Als Metzelder, der die Borussia am Saisonende verlassen wird, Fairness im Umgang mit seiner Person erbat, platzte Wörns der Kragen. Der Kollege, beschied Dortmunds Kapitän, solle „endlich mit dem Heulen aufhören und gefälligst den Arsch zusammenkneifen“.

Vor einem Jahr hatte Wörns schon einmal die Contenance verloren. Damals warf er Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor, der ihn aus dem WM-Kader gestrichen hatte, „link, unehrlich und scheinheilig“ zu sein und polterte los: „Wenn ich dieses Gesabbel auf der Mailbox höre, das ist unterste Schublade.“ Wörns warf dem Bundestrainer vor, nicht nach Leistung aufzustellen und höhnte: „Vielleicht sollte ich den Trainer bitten, mich auch auf die Bank zu setzen.“ Ein Hieb in Richtung Metzelder, der in Dortmund nicht zum Stammpersonal gehörte, bei der Nationalmannschaft aber gesetzt war. Wörns warf Metzelder nach der WM vor, ein falsches Spiel betrieben zu haben, indem er seine Nominierungsgarantie für sich behielt: „So etwas drei Monate mit sich herumzutragen und keinen Ton zu sagen, finde ich schon seltsam.“ Um den Streit zu schlichten, schaltete sich der damalige Trainer Bert van Marwijk ein.

Seit geraumer Zeit kämpft Wörns einen einsamen Kampf, und dabei stellt sich der 34-Jährige nicht eben geschickt an. Nicht nur, dass er mit seinem Klub tief im Abstiegsstrudel steckt und für die kommende Saison einen neuen Vertrag aushandeln muss, längst geht es bei ihm auch um die Reputation. Und die hat spürbar gelitten. Noch ist Wörns im Dortmunder Umfeld unumstritten, doch außerhalb des Reviers hat er seit vielen Jahren ein Imageproblem.

Ein Kontrast zum häufig beleidigten Wörns ist der stets eloquente Metzelder, der zwar oft verletzt ausfällt, dennoch demnächst bei einem europäischen Spitzenverein wohl gute Perspektiven besitzt. So berichtete das spanische Sportblatt „As“ schon, Metzelder habe sich mit Real Madrid auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt. Doch bis es so weit ist, müssen Metzelder und Wörns im Dortmunder Abwehrzentrum noch sieben Spiele lang eine Zweckgemeinschaft bilden. Immerhin hat der streitbare Kapitän Wörns eingesehen: „Meine Wortwahl bietet schon mal Angriffsfläche.“

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