Sport : Schluss mit Tralala

Harte Kritik am deutschen Eiskunstlauf nach dem Grand Prix

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 Gelsenkirchen (dpa). Die deutschen Eiskunstläufer kommen nicht wieder auf die Kufen. „Ich habe keine Wunder erwartet, aber ich bin enttäuscht, dass einige Sportler ihre Reserven nicht abgerufen haben“, sagte Reinhard Mirmseker nach dem Saisonauftakt beim Grand Prix in Gelsenkirchen. Nur der dritte Platz der Berliner Eistänzer Kati Winkler/René Lohse stimmte den neuen Präsidenten der Deutschen EislaufUnion (DEU) zufrieden. „Es gibt aber nichts zu beschönigen. Um aus dem Keller herauszukommen, müssen wir von vorn anfangen“, fügte Mirmseker hinzu.

„In diesem Verband wurde zu lange Tralala gemacht, aber für richtigen Leistungssport muss man sich quälen“, sagte der 52-Jährige. Denn bis zur Weltmeisterschaft 2004 in Dortmund will die DEU zumindest einen Aufwärtstrend vorweisen. Gerade vor dem Hintergrund des neuen Wertungssystems, das nach dem olympischen Paarlauf-Skandal für mehr Gerechtigkeit sorgen soll, fordert er eine Aufbruchstimmung unter den deutschen Kufenstars.

Vorbild für den Neuaufbau der einstigen Prestige-Sportart soll der frühere Paarlauf-Weltmeister Ingo Steuer sein. Mit Eva-Maria Fitze und Rico Rex präsentierte der ehrgeizige Jungtrainer ein neues Paar, das schon bei der Europameisterschaft im Januar in Malmö an die kontinentale Spitze heranlaufen kann. In einem von den chinesischen Weltmeistern Xue Shen/Hongbo Zhao angeführten Top-Feld wurden die Chemnitzer bei ihrer Premiere nach einem halben Jahr Training schon Siebte. Zusammen mit den Olympia-Achten Winkler/Lohse, die mit ihrer futuristischen Kür in diesem Winter eine internationale Medaille holen könnten, stehen die Chemnitzer für das Umdenken der DEU. Nicht wie früher mit der Gießkanne, sondern gezielt soll gefördert werden.

Nach dem Desaster in der olympischen Saison stehen auch weit weniger Bundesmittel zur Verfügung. Als Folge des Misserfolgs hat der Verband seine Trainerfinanzierung komplett umgestellt; es wird nur noch nach Höchstleistung bezahlt. So fordert der Verband vor allem in den Einzeldisziplinen bessere Ergebnisse. Trostlos sieht es bei den Damen aus, weil die talentierten Läuferinnen seit Jahren nicht mit dem Wettkampfdruck fertig werden. Bestes Beispiel ist die zweifache Meisterin Susanne Stadlmüller (Stuttgart), die in Gelsenkirchen als Siebte nur einen Bruchteil ihres Potenzials abrief. „Wenn wir bei den deutschen Meisterschaften dieses Niveau nicht überschreiten, werden wir die EM nicht beschicken“, sagt Mirmseker.

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