Sport : Schluss vor dem Schuss

Aufregung in Bremen um Kloses letzte Torchance

Karsten Doneck

Berlin - Alles war wohl nur eine Frage der Wahrnehmung. „Ich denke mal, Michael Weiner hat einfach auf die Uhr geschaut, dabei die Szene gar nicht mehr richtig realisiert und deshalb abgepfiffen“, vermutet Hellmut Krug, Mitglied im Schiedsrichterausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Weiners Haltung rief allerdings in Bremen viel Verdruss hervor. Als der Pfiff ertönte, war Miroslav Klose nämlich gerade dabei, allein auf das Tor des 1. FC Nürnberg zuzustürmen. Das 2:0 für Werder in der Nachspielzeit schien nur noch eine Frage von Sekunden – bis Schiedsrichter Weiner den Lauf des zuletzt ohnehin glücklosen Klose mit dem Schlusspfiff abrupt stoppte. „Ich weiß wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen soll“, sagte Klose später. Der Nationalspieler ist ja ohnehin leidgeprüft: Seit 1122 Spielminuten ist ihm kein Tor mehr geglückt.

Vielen Fans stellt sich nun wieder einmal die Frage: Wann ist eigentlich bei einem Fußballspiel die Zeit reif für den Schlusspfiff? „Man kann so eine Situation auch zu Ende laufen lassen, zumal der Vorgang ja in kürzester Zeit abgeschlossen gewesen wäre“, sagt der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich aus Berlin. Wie so oft liegt die Entscheidung aber im Ermessen des Schiedsrichters. „Die Zeitnahme fällt in den Bereich der Tatsachenentscheidungen“, sagt Fröhlich. Proteste sind also sinnlos.

Beim Spiel Werder gegen Nürnberg wurde nach Ansicht der Bremer Sekunden zu früh abgepfiffen. Zu spät abgepfiffen dagegen wurde nach Ansicht des damaligen Bundesligisten Hansa Rostock am 5. Februar 2005 die Partie gegen Schalke 04. Rostock hatte in der dritten Minute der Nachspielzeit das 2:2 der Schalker durch Ailton hinnehmen müssen, obwohl Schiedsrichter Helmut Fleischer nur zwei Minuten Nachspielzeit angezeigt hatte. Rostock legte Protest ein, der aber wurde vom Sportgericht und in zweiter Instanz auch vom DFB-Bundesgericht abgewiesen.

Die Dauer der Nachspielzeit bestimmt der Schiedsrichter selbst. „Er kann die angezeigte Nachspielzeit nicht verkürzen, aber verlängern“, sagt Hellmut Krug. Und: „Man unterscheidet da als Schiedsrichter zwischen verlorener und vergeudeter Spielzeit.“ Von verlorener Spielzeit ist die Rede bei Unterbrechungen durch Auswechslungen oder Verletzungen, von vergeudeter bei absichtlichen Spielverzögerungen.

Nach Ende des Spiels der Bremer gegen Nürnberg fand selbst Michael Weiner Verständnis für die Aufregung. „Ich kann ja durchaus verstehen, dass die Leute noch ein Tor sehen wollten, aber ich habe die Situation gar nicht mehr richtig erfasst“, sagte er.

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