Sport : Schmerzhafter Nachhilfeunterricht

Volleys-Coach Lebedew ist sauer, dass seine Mannschaft so spät die Bedeutung des Spiels in Friedrichshafen begriffen hat.

Bernd Hüttenhofer[Friedrichshafen]
Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa
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Mark Lebedew ist keiner dieser Trainer, die am Spielfeldrand ausflippen. In der Regel steht er nahezu unbeweglich da, ein Klemmbrett in der Hand, beobachtet jedes Detail und versucht, zu analysieren, wie seine Mannschaft ihre optimale Leistung erreicht. Am Mittwochabend freilich gab es Minuten, in denen es dem Trainer des Volleyball-Bundesligisten BR Volleys ziemlich schwer fiel, ruhig zu wirken. Ein dünner Schweißfilm glänzte auf der Stirn des Australiers, ein Zeichen dafür, wie sehr der Coach mitgelitten hatte.

Minuten zuvor hatte seine Mannschaft 1:3 (20:25, 16:25, 25:23, 25:27) gegen den VfB Friedrichshafen verloren, der Titelverteidiger hatte in eigener Halle das erste Halbfinal-Spiel in den Play-offs gewonnen. Und die Berliner waren einer 0:3-Blamage ziemlich nahe gekommen.

Eine Stunde später wirkte Lebedew wieder gelassen, fast selbstbewusst sogar. Denn die Blamage hatte seine Mannschaft mit einer enormen Leistungssteigerung verhindert. Die kam so überraschend, dass sogar Friedrichshafens Trainer Stelian Moculescu ratlos erzählte: „Ich weiß nicht, was im dritten Satz passiert ist.“ Da half der Kollege Lebedew gerne mit einer Antwort: „Entscheidend war, wie lange es gedauert hat, bis wir kapiert haben, dass es heute um irgendetwas geht. Dann haben wir gezeigt, was wir draufhaben. Das am Sonntag wird ein ganz anderes Spiel.“

Am Sonntag (16 Uhr, Schmeling-Halle) findet das zweite Spiel statt. Paul Carroll, der Diagonalangreifer, der wochenlang verletzt war, steht wieder im Kader. Er hatte auch am Mittwoch kurz, aber wenig effektiv gespielt. „Er hat noch lange nicht seine Bestform“, sagte Volleys-Manager Kaweh Niroomand. Den Berlinern fehlte damit eine Leitfigur, an der sie sich aufrichten konnten. In den ersten beiden Sätzen fiel die Leistung der Gäste geradezu armselig aus. Der VfB war in allen Belangen besser.

Die Diagonalposition nahm im dritten Satz Urpo Sivula, der etatmäßige Außenangreifer, ein. Plötzlich lief es gut bei den Berlinern. Sivula hatte auch schon in der finnischen Nationalmannschaft auf dieser Position gespielt, das zahlte sich nun aus. Die Leistungssteigerung erzeugte das Selbstbewusstsein von Lebedew. Nun konnte er sehen, wozu seine Mannschaft auch dann in der Lage ist, wenn der etatmäßige Hauptangreifer fehlt. Der Schweißfilm war längst von seiner Stirn verschwunden, als der Volleys-Trainer trocken sagte: „Wir sind eine gute Mannschaft und haben gute Spieler.“ Am Sonntag müssen es die Volleys beweisen.

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