Sport : Schmerzhafter Schnitt

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Von Benedikt Voigt

Berlin. Die unliebsame Aufgabe hat der Vizepräsident gleich selber übernommen. Gemeinsam mit Trainer Emir Mutapcic traf sich Marco Baldi am vergangenen Wochenende mit Wendell Alexis, um ihm mitzuteilen, dass Alba Berlin für die kommende Basketball-Saison nicht mehr mit ihm plane. „Es war nicht so schwer“, sagt Marco Baldi, „wir hatten eine Partnerschaft, wie man sie sich wünscht: Beide Partner haben ihren Part übererfüllt.“ Da schmerzt eine Trennung zwar, aber sie hinterlässt kein schlechtes Gewissen.

Alba Berlin sucht gegenwärtig Spieler für die nächsten zwei, drei Jahre. „Wir wollen mittelfristig eine Mannschaft bauen“, sagt Baldi. Auf dem Weg zu diesem neuen Team hat der Deutsche Meister und Pokalsieger des Jahres 2002 zunächst den schmerzhaftesten aller Schnitte vorgenommen. „Wenn wir neue Impulse brauchen, dann müssen wir auch dort ansetzen, wo die Schlüsselpositionen sind“, erklärt Baldi. Allerdings räumt der Vizepräsident auch ein: „Die Entscheidung hat auch irgendwo mit den Finanzen zu tun.“ Die Berliner werden voraussichtlich in der kommenden Saison von der Euroleague lediglich einen Sockelbetrag von 250 000 Dollar bekommen, ungefähr die Hälfte des Betrages vergangener Jahre. Außerdem ist aufgrund der ungewissen Zukunft des Kirch-Konzerns die Höhe der Fernseh- und Sponsorengelder in der Basketball-Bundesliga fraglich.

Die Ziele bei Alba Berlin haben sich nicht verändert. Weiterhin möchte der Klub in Europa ins Viertelfinale vorstoßen, weiterhin in Deutschland den Meistertitel verteidigen. „Aber es ist schwer, über Ziele zu sprechen, solange die Mannschaft noch nicht steht“, sagt Baldi. In den vergangenen sechs Jahren war Alexis Albas wichtigster Spieler und Führungspersönlichkeit. Nach seinem Weggang muss die Hirachie in der Mannschaft neu geordnet werden. Diesen Effekt haben sich die Verantwortlichen durchaus gewünscht. Doch wer in diese Lücke stoßen kann, ist noch unklar. Gegenwärtig besitzen nur Jörg Lütcke, Mithat Demirel, Teoman Öztürk, Stefano Garris und Guido Grünheid einen Vertrag für die neue Saison. „Die Gespräche laufen mit allen Spielern“, sagt Baldi. Das Geld, das Alba bei Alexis spart, kann der Klub gut im Poker um Centerspieler Dejan Koturovic brauchen. „Wir versuchen, Koturovic zu halten“, bestätigt der Vizepräsident.

Für den 37-jährigen Wendell Alexis aber wird das Kapitel Berlin noch nicht beendet sein. „Wendell ist nicht aus der Welt“, erklärt der Basketball-Manager, „er wird sicher das eine oder andere Mal in Berlin vorbeikommen.“ Irgendwann aber, in einem Nebensatz, sagt Baldi auch: „Die Entscheidung tut weh.“

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