Sport : Schmiergeld für den Aufstieg?

Skandal im spanischen Fußball spitzt sich zu

Madrid - Gut drei Wochen vor Saisonbeginn zieht der Bestechungsskandal im spanischen Fußball immer weitere Kreise. Im Kampf um den Aufstieg in die Primera Division sollen in der vorigen Saison massiv Schmiergelder geflossen sein. Die Zeitung „El País“ spricht von einer „flächendeckenden Korruption“. Das angesehene Blatt veröffentlichte am Donnerstag neue Auszüge von abgehörten Telefongesprächen. Daraus geht nach Angaben der Zeitung hervor, dass in mehreren Spielen von Aufstiegskandidaten Gelder geflossen sind.

Bisher hatte nur der Mehrheitsaktionär des Erstliga-Aufsteigers Hercules Alicante, Enrique Ortiz, im Verdacht gestanden, zu unlauteren Mitteln gegriffen zu haben. Nun aber gebe es Indizien, dass auch andere Aufstiegskandidaten Zahlungen leisteten, berichtete das Blatt. Spitzenklubs sollen vor den Spielen ihrer Aufstiegsrivalen deren jeweilige Gegner mit Siegprämien motiviert haben. Hercules-Boss Ortiz soll bei seinen Versuchen, andere Teams zu bestechen, Mannschaftskapitän Jorge Lopez, genannt „Tote“, als Mittelsmann eingesetzt haben. Nach der Zweitligapartie FC Girona gegen Alicante (1:1) soll er den Profi gefragt haben, warum kein Sieg drin war. Der Kapitän antwortete laut „El País“: „Die Spieler (von Girona) hatten 300 000 Euro Siegprämien von den vier anderen Spitzenklubs bekommen, pro Mann 25 000 Euro. Hier herrscht Krieg.“ Für das Remis soll die Hälfte der Summe gezahlt worden sein.

Die Zeitung hatte zuvor die Aufnahme eines anderen abgehörten Telefongesprächs veröffentlicht. Darin soll Ortiz damit geprahlt haben, den Torwart des CF Cordoba mit 100 000 Euro bestochen zu haben. Er soll auch UD Salamanca, CF Girona und Recreativo de Huelva Schmiergelder geboten haben. Deren Teams sollen die angeblichen Bestechungsversuche zurückgewiesen haben. Der spanische Fußballverband schweigt bislang. Er hat nichts in der Hand; die Aufnahmen der abgehörten Telefonate werden von der Justiz unter Verschluss gehalten. Die Ermittler hatten den Skandal nur durch Zufall aufgedeckt. Sie hatten eigentlich eine Bestechungsaffäre bei der Müllabfuhr von Alicante aufklären wollen.

Die Sache um die angebliche Manipulation von Spielen legte die Justiz rasch zu den Akten, weil Schiebung im Sport nach spanischem Recht nicht strafbar ist. Dies wird sich erst im Dezember ändern, wenn ein neues Gesetz in Kraft tritt. dpa

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