Sport : Schnee, der auf Spiele fällt

Benedikt Voigt

Gestern ist der Olympia-Berichterstatter am Frühstückstisch gerügt worden. Er hatte sich gerade einen Kaffee eingegossen – es war übrigens kein Eiskaffee –, als die Kollegin G. ihn anblickte und sagte: „Mit dieser Hose willst du heute raus?“ Wieso, wunderte sich der Olympia-Berichterstatter, was gibt es gegen eine braune Cordhose einzuwenden? „Hast du schon einmal aus dem Fenster gesehen?“ Da sah er aus dem Fenster – und staunte.

Am Donnerstag ist der Winter in die Berge um Sestriere eingezogen. Rund 30 Zentimeter Neuschnee sind über Nacht in Claviere an der französischen Grenze gefallen. Autos müssen nun freigeschaufelt werden, Busse schleichen im Schritttempo über die Hauptstraße, ein Bagger hat Schneeketten angelegt. Der Berichterstatter hatte im Laufe dieser Olympischen Spiele schon beinahe vergessen, dass Wintersport normalerweise mit Schnee verbunden ist. Er hatte sich gewöhnt an den azurblauen Himmel der letzten zehn Tage über Sestriere, hatte die Sonnencreme als wichtiges Wintersportutensil stets bei sich geführt. Irgendwann glaubte er, dass es sich mit dem italienischen Winter verhält wie mit dem italienischen Sommer: Die Sonne scheint, und zwar den ganzen Tag. Es stimmt nicht.

Doch der gestrige Wintereinbruch in den Bergen hat auch eine sehr gute Seite. Endlich bedeckt Schnee die vielen matschigen, dreckigen Stellen in den Bergen, endlich bekommen die Winterspiele von Turin eine passende Farbe: Sie ist weiß, nicht braun.

Im Übrigen hat der Mann, der am Frühstückstisch gerügt wurde, seine braune Cordhose nicht gegen eine Thermohose getauscht. Und am Ende hat er Recht behalten. Denn der Schneefall endete am Mittag – und die italienische Sonne kehrte zurück.

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